30 Jahre Internet – meine Lehren und Einsichten

30 Jahre Internet – meine Lehren und Einsichten

Social-Media-Müdigkeit: Meine Internet-Jahre

Ich hatte ja schon einmal darüber philosophiert: Was mache ich eigentlich im Internet – und wohin will ich noch, wenn überhaupt?

Ich habe Mitte der 1990er angefangen, also sind es inzwischen gut etwas mehr als drei Jahrzehnte. Damals mit Mailboxen und ersten Online-Diensten, später mit Homepages. Dafür bekam ich sogar Preise und Auszeichnungen, Zeitungsartikel und Radio-Erwähnungen. Dann kamen Foren, anschließend Blogs – stets up to date sein wollen und fast jedem Trend hinterherjagen. Teilweise war ich selbst Trendsetter, auch dank Firmen, die ihre Produkte vorgestellt haben.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit mit Bulletin-Board-Systemen, CompuServe und später AOL. Dann kamen ICQ und mIRC – vieles war neu, direkt und irgendwie grenzenlos.

Vor fast zwanzig Jahren war vieles als Blogger noch besonders aufregend. Ich denke gerne an die Trigami-Zeit zurück, ungefähr Ende der 2000er. Kooperationen, Austausch und erste Professionalisierung. Später der Dialog auf Facebook und die lebendige Dynamik auf Twitter – das hatte damals eine eigene Energie.

Doch mit wachsender Reichweite und – nennen wir es mal – „Erfolg“ kam auch der Druck. Plötzlich landete allerlei Content auf meinen Kanälen, den ich eigentlich gar nicht teilen wollte. Rückblickend hätte ich manches lieber nicht veröffentlicht. Statt Freude bereitete mir das ständige Online-Präsentsein oft eher Stress.

Parallel dazu tobte in der Reiseblogger-Bubble so manche Neid- und Missgunst-Dynamik. Diese gegenseitigen „Beefs“ auf Twitter mit Leuten, die vermutlich ebenfalls unter Druck standen – heute wirkt vieles noch schneller eskalierend und respektloser. Dabei verstehe ich mich inzwischen recht gut mit einem dieser Blogger, mit denen ich früher regelmäßig gestritten habe. Warum? Weil wir beide wohl einfach unreif waren.

Vor einigen Jahren habe ich mich bewusst zurückgezogen. Die Pandemie und persönliche Verluste haben mich innehalten und neu denken lassen. Seither teile ich nur noch gelegentlich – eher als Ergänzung und nicht als Hauptsache. Mein Content wirkt ehrlicher und freier, weil ich mich nicht länger nach Erwartungen richte.

Abonnentenzahlen waren für mich nie eine echte Messlatte. Egal ob dreißig oder hunderttausend: Zahlen sagen wenig über Substanz aus und können täuschen. Am Ende fallen gekaufte Follower, besonders auf Instagram, ohnehin auf. Ich habe das selbst einmal ausprobiert – es war letztlich bedeutungslos.

Viel wichtiger ist mir heute die Zusammenarbeit mit Partnern, die meine Arbeit wirklich wertschätzen – nicht jene, die nur auf Reichweite schauen. Gleichzeitig bin ich vielen Menschen dankbar, die mir über all die Jahre Möglichkeiten eröffnet haben. Ich durfte großartige Produkte kennenlernen, aber auch besonders interessante und schöne Destinationen entdecken. Dabei sind nicht nur Kooperationen entstanden, sondern hin und wieder auch echte Freundschaften.

Mir war und ist dabei wichtig, auf Augenhöhe zu agieren. Gegenseitiger Respekt, ein ehrlicher Umgang und Wertschätzung haben für mich immer im Mittelpunkt gestanden. Das hat nicht immer funktioniert, aber überwiegend – und genau das ist es, was für mich das Gute daran war und auch bleibt.

Mit Plattformen wie TikTok werde ich persönlich nicht warm. Das ist keine Wertung, sondern einfach mein Empfinden. Die Geschwindigkeit, die Mechanik, der Stil – das ist nicht meine Welt. Reels auf Instagram finde ich manches Mal durchaus nett. Gleichzeitig merke ich, wie sehr dieses Format zum suchtvollen Weiterwischen verleitet. Alles ist schnell, einfach konsumierbar, visuell reizvoll. „Schnell, schnell, bling bling – und weiter.“

Schaut man genauer hin, ist vieles stark inszeniert, viel Werbung, viel Selbstdarstellung – und vergleichsweise wenig wirklich Substanzielles. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber insgesamt fühle ich mich dort nicht als Teil der eigentlichen Zielgruppe. Vielleicht bin ich dafür zu alt. Oder ich bin einfach nicht mehr die Person, die eine relevante Zielgruppe für TikTok oder Instagram bedienen möchte.

Ich möchte nur noch Dinge machen, die mir Spaß bringen und mir innere Freude und Zufriedenheit geben. Das ist zumindest mein Stand heute. Was in zwei bis fünf Jahren ist, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich dann noch hier. Vielleicht auch nicht. Es ist gut möglich, dass ich irgendwann gar nicht mehr aktiv im Internet sein werde.

Mein Ziel war und ist es, meinen eigenen Weg zu gehen und meine Stimme zu finden. Trends mitzunehmen ist in Ordnung – das habe ich lange genug getan. Aber wenn man sich nur danach richtet, verliert man das, was einen wirklich ausmacht.

Nach gut drei Jahrzehnten Internet mit Akustikkopplern, Analog-Modems, Mailboxen, frühen Online-Diensten, Foren, Blogs, Social Media, Webdesign, Grafik, Netzwerken und Administration habe ich viel gelernt. Die neuen Generationen gehen ihren eigenen Weg, und das ist gut so. Manches erscheint mir heute schneller und hektischer, aber die Neugier von damals ist geblieben.

Und auch wenn ich weiß, dass Online-Präsenz irgendwann weniger Bedeutung für mich haben könnte: Im Moment habe ich noch Freude daran.

Illustration mittels KI nach meinen Vorgaben erstellt.


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