PocketBook InkPad One als ruhiger E-Reader für Lesen, PDFs und Notizen

PocketBook InkPad One als ruhiger E-Reader für Lesen, PDFs und Notizen

Das PocketBook InkPad One lag noch ohne Bücher auf dem Tisch. Keine Bibliothek, keine PDFs, keine Notizen. Nur das Gerät, das große matte Display und die Frage, was ich zuerst damit mache.

Ich habe keinen Roman geöffnet. Ich habe mir einen eigenen Startbildschirm gebaut.

Das ist nicht nötig. Der Reader funktioniert auch mit dem normalen Bild. Aber bei einem Gerät, das ausgeschaltet sichtbar bleibt, ist dieser erste Bildschirm keine Nebensache. E-Ink verschwindet nicht einfach ins Schwarz. Es liegt da. Auf dem Schreibtisch, neben einem Notizbuch, zwischen Ladekabel, Stift und Buchrücken.

Also bekam das PocketBook InkPad One ein Burgturm-Bild.

Oben steht das Logo. Darunter eine dünne Linie, dann „Quieter Digital Tools“. Ich habe den englischen Begriff stehen lassen, weil er knapp genug ist. Die deutsche Übersetzung darunter ist sperriger: ruhigere digitale Werkzeuge. Nicht schön, aber verständlich. Für einen Startbildschirm reicht das.

Das Bild darunter zeigt ein reduziertes Porträt im Profil, daneben Wald, Berge und ein Flusslauf. Das Motiv kommt aus der Nähe zu Waldlandmeer, meinem anderen Projekt über Wege, Orte, Landschaften und das, was unterwegs entsteht. Nicht als großer Verweis, eher als Spur. Der Blick nach draußen gehört bei mir ohnehin oft zum Lesen und Schreiben dazu. Im Zug, im Hotelzimmer, auf einem Tisch am Fenster, wenn irgendwo Dateien, Bücher und Notizen nebeneinanderliegen.

Im Original hat die Grafik gedeckte Grün- und Beigetöne. Auf dem PocketBook InkPad One wird daraus eine Graustufenfläche. Die Wärme geht etwas verloren. Dafür wird das Motiv strenger. Linien, Flächen und Kontraste müssen allein tragen. Gerade dieser Verlust passt erstaunlich gut zum Gerät. Das Bild wirkt auf dem matten Display weniger wie ein Wallpaper und eher wie ein Eintrag vorne in einem Buch.

Ein farbiges E-Ink-Gerät würde vermutlich näher am Original bleiben. Beim InkPad One bleibt nur die reduzierte Fassung. Das ist nicht schlechter, aber anders. Die Landschaft wird weniger weich, das Porträt weniger warm, die ganze Fläche sachlicher. Man sieht daran ziemlich gut, was Schwarzweiß-E-Ink mit Bildern macht: Es nimmt nicht nur Farbe weg, sondern verändert den Ton.

Unten stehen drei Wörter: klar, funktional, dauerhaft.

Das ist streng. Fast zu streng. Aber auf E-Ink passt es besser als auf einem Tablet. Dort würde es schnell nach Startfolie aussehen. Auf dem PocketBook hat es eher etwas von einem Besitzvermerk. Nicht dekorativ im üblichen Sinn. Eher eine Markierung: Dieses Gerät gehört zu meinen Texten, Dateien, Notizen und zu dem, was unterwegs eingesammelt wird.

Das PocketBook InkPad One selbst wirkt groß, aber nicht aufgeblasen. Das 10,3-Zoll-Display ist für einen Roman fast viel Fläche. Für PDFs, Magazine, Comics, Graphic Novels und längere Arbeitsdokumente wird es interessanter. Kleine E-Reader sind unterwegs angenehmer. Aber irgendwann werden Seiten eng, besonders wenn Tabellen, Scans oder gestaltete Seiten ins Spiel kommen.

Bei diesem Gerät geht es für mich weniger um ein neues Spielzeug als um eine bestimmte Lücke. Nicht Buch. Nicht Tablet. Nicht Papierheft. Etwas dazwischen, aber nur dann brauchbar, wenn es im Gebrauch nicht dauernd Aufmerksamkeit verlangt.

Der Stift liegt dabei. Markieren, kommentieren, Notizen schreiben, direkt im Dokument arbeiten. Ich erwarte davon kein perfektes digitales Notizbuch. Papier ersetzt das nicht. Aber eine Randnotiz in einem PDF, ein markierter Satz, eine kleine Skizze oder ein Gedanke, der nicht sofort verschwinden soll, müssen ohne viel Umweg funktionieren.

Wichtig ist auch, dass PocketBook nicht so eng an einen einzelnen Shop gebunden ist. Meine Dateien liegen nicht ordentlich an einem Ort. Da sind E-Books, PDFs, Comics, alte Dokumente, Projektmaterial und Fundstücke. So eine Sammlung braucht keine enge Führung, sondern Platz und möglichst wenig Belehrung durch das System.

Noch ist das kein Test. Dafür liegt das PocketBook InkPad One zu kurz hier. Ich will erst sehen, wie es sich mit eigenen Dateien verhält. Ob PDFs sauber lesbar sind. Ob Comics auf der Fläche funktionieren. Ob das Licht abends angenehm bleibt. Ob der Stift nach mehreren Tagen noch benutzt wird oder nur danebenliegt.

Beim ersten Einrichten fiel mir vor allem auf, wie sehr dieser Bildschirm den Ton des Geräts verändert. Nicht technisch. Eher im Umgang. Ein Tablet starte ich und bin sofort irgendwo anders. Das PocketBook InkPad One bleibt erst einmal liegen. Mit dieser Grafik sieht es weniger nach Gerät aus und mehr nach abgelegter Mappe.

Das kann kippen. Wenn die Software zäh wird, wenn PDFs schlecht skalieren, wenn Notizen umständlich sind, hilft auch der schönste Startbildschirm nicht. Solche Geräte entscheiden sich nicht beim Auspacken. Sie entscheiden sich nach ein paar Abenden. Am Tisch. Im Sessel. Im Zug. Neben dem Bett.

Im Moment steht dort nur: klar, funktional, dauerhaft.

Der Rest muss noch gelesen werden.


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