Citroën Typ H: eine Form, die sogar in 1:87 bleibt

Citroën Typ H: eine Form, die sogar in 1:87 bleibt

Gerade liegt ein kleiner Citroën Typ H zwischen meinen Fingern. Noch ohne Räder, noch nicht fertig, mitten in der Bearbeitung. Gelblich, verschmutzt, mit Rost an den Kanten und dunkler Farbe in den Fugen. Auf der Werkbank stehen Farbdosen, Kleber, Papierstücke. Ein kleines Modell, aber die Form ist sofort da.

Eigentlich interessiere ich mich nicht besonders für Autos. Zumindest nicht für das, worüber bei Autos meistens gesprochen wird. Geschwindigkeit, Motorwerte, Ausstattung, technische Ranglisten. Das bleibt bei mir kaum hängen.

Mir bleiben Formen im Kopf.

Beim Citroën Typ H merkt man das sofort. Die geriffelten Seiten. Die kurze, fast stumpfe Front. Der dunkle Kühlergrill mit dem Doppelwinkel. Die hohen Fenster. Die Karosserie sieht nicht glattgezogen aus. Sie wirkt wie ein Arbeitsgerät. Wie ein Lieferwagen für Hinterhöfe, Werkstätten, Märkte, Bäckereien, kleine Lieferwege.

Citroën fällt mir seit Jahren immer wieder auf.

Nicht als Marke, über die ich besonders viel wüsste. Ich kann keine Motoren erklären, keine Baujahre sicher auseinanderhalten und keine Modellreihen sauber nacherzählen. Aber wenn ich alte Citroën sehe, bleibe ich oft kurz stehen. Bei einer DS. Beim 2CV. Beim CX. Beim Ami 6. Beim Typ H sowieso.

Das kleine Modell zeigt ziemlich genau, warum. Selbst in 1:87 bleibt die Form klar erkennbar. Man kann sie verschmutzen, altern, mit stumpfer Werbung versehen, vor eine Werkstatt stellen oder in einen Hof schieben. Sie verliert dabei nichts. Je weniger sauber sie wirkt, desto glaubwürdiger wird sie.

Der Typ H ist kein elegantes Auto im klassischen Sinn. Er ist hoch, kantig, geriffelt, etwas störrisch. Aber er ist sofort da. Zwischen modernen Autos würde er auffallen. Auf einem Diorama auch.

Bei Autos merke ich mir keine Zahlen. Ich merke mir Dachlinien, Fenster, Fronten und Hecks. Die Art, wie ein Fahrzeug auf der Straße steht. Ob es zwischen anderen Autos verschwindet oder ob man noch einmal hinsieht.

Alte Citroën verschwinden selten.

Die DS steht da, als würde sie nicht ganz zu den anderen Autos gehören. Der 2CV wirkt fast zu einfach, bis man merkt, wie deutlich diese Einfachheit gezeichnet ist. Der Ami 6 hat eine seltsame Heckform, die man nicht schön finden muss, um sie sich zu merken. Der CX zieht diese lange Linie durch, die auch heute noch aus dem normalen Straßenbild fällt. Und der Typ H sieht aus, als hätte jemand Wellblech, Nutzen und Eigensinn in eine fahrbare Form gebracht.

Dieses kleine Modell wird irgendwann in Kleinberge landen. Das ist mein Modellbauprojekt im Maßstab 1:87, mit Alltagsorten zwischen Hinterhof und Werkstatt, Putz, Asphalt, alten Werbungen, matten Farben und Gebrauchsspuren. Der Typ H passt dort nicht als Sammlerstück hinein, sondern als alter Lieferwagen mit stumpfer Schrift an der Seite, irgendwo vor einer Werkstatt, an einer Laderampe oder halb im Hof.

Ein bisschen Schmutz in den Fugen, matte Farbe, ein paar abgegriffene Kanten. Mehr braucht er auf so einer Szene nicht.


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