Warum es Burgturm.de noch gibt

Burgturm.de war nie als großes Konzept geplant. Die Seite ist aus Dingen entstanden, die mich ohnehin schon lange begleiten: Bücher, Comics, Burgen, Architektur, Spiele, Schreibwerkzeuge, Orte mit Geschichte, Bilder und Arbeitsräume. Von außen wirkt das nicht immer sauber sortiert. Für mich gehörte vieles davon schon früh zusammen.

Am Anfang standen Burgen und historische Orte stärker im Mittelpunkt. Daher auch der Name. Mich interessierten dabei nie nur die Gebäude selbst. Eher die Mauern, Wege, Räume, Landschaften und das, was solche Orte mit der eigenen Wahrnehmung machen. Eine Burg ist nicht nur ein Ausflugsziel. Sie steht in einer Landschaft, sie verändert den Blick, sie trägt Spuren von Zeit, Besitz, Krieg, Umbau, Verfall und Erhaltung.

Die Domain selbst ist älter als meine Nutzung von ihr. Burgturm.de wurde bereits 2004 registriert, lag später lange brach und war zeitweise ohne Besitzer. Im August 2014 übernahm ich sie und nutzte sie kurz darauf als Bewerbungsseite für das Projekt Burgenblogger.

Diese Phase war wichtig für die Seite.

Damals schrieb ich dort einen Satz, der erstaunlich gut zu dem passt, was mich bis heute beschäftigt:

„Beim Projekt Burgenblogger darf für mich nicht das Ego im Vordergrund stehen. Stattdessen die Landschaft, die Orte, die Menschen, die Mittelrheinregion.“

Das war keine fertige Programmatik. Aber der Blick war schon da. Nicht vor eine Kulisse stellen. Nicht sich selbst ins Bild rücken. Eher schauen, was ein Ort erzählt, wenn man ihn ernst nimmt.

Das Burgenblogger-Projekt bekam damals große Aufmerksamkeit. Die Rhein-Zeitung schrieb später:

„743 Bewerbungen hatte es gegeben, 50 waren in eine Vorauswahl gekommen, zehn davon hatte eine Jury ausgewählt.“

Ich gehörte zu diesen zehn Finalisten. Daraus wurde kein fertiges Burgenblogger-Jahr für mich, aber es blieb etwas hängen. Reisen, Orte, Architektur und Schreiben rückten näher zusammen. Vieles, was später unter Reiseblog oder Travelblog lief, hatte für mich dort bereits angefangen.

Auf meinen damaligen Seiten verschob sich der Schwerpunkt mit der Zeit. Weg vom reinen Technik- und Rezensionsblog, stärker hin zu Reisen, Handwerk, Kulinarik, Hotels, Landschaften und kleinen Herstellern. Mich interessierten selten nur Produkte oder Orte allein. Eher die Menschen dahinter, Werkstätten, Materialien, Räume, Häuser mit eigener Patina, Landschaften, die länger im Kopf bleiben als klassische Sehenswürdigkeiten.

Auch beim Reisen wollte ich nie im Mittelpunkt stehen. Kein ständiges Ich vor Kulisse. Keine Selbstinszenierung vor Aussicht. Mich interessierte stärker, wie ein Ort wirkt, wenn man dort eine Weile bleibt, läuft, sitzt, schaut oder später wieder an ihn denkt.

Diese Seite wurde trotzdem irgendwann etwas anderes.

Bücher kamen stärker dazu, später Comics, Graphic Novels, Spiele, Geräte, Notizen, E-Ink, Schreiben, Arbeiten am Bildschirm und die Frage, wie sich digitale Werkzeuge im Alltag verhalten. Burgturm war längst kein reines Burgenprojekt mehr. Die alten Schichten verschwanden aber nicht. Sie liegen noch darunter.

Darum wirkt die Seite manchmal breiter, als sie eigentlich ist. Zwischen Graphic Novels, E-Readern, Architektur, Literatur, Spielen oder Modellbau liegt kein sauberer Redaktionsplan. Der Zusammenhang entsteht eher über den Blick. Was macht ein Gegenstand, ein Ort, ein Buch, ein Spiel oder ein Gerät, wenn man länger damit zu tun hat? Was nutzt sich ab? Was bleibt auf dem Schreibtisch? Was wandert in die Tasche? Was wird nach Jahren noch einmal hervorgeholt?

Ein Technikblog wurde Burgturm nie. Datenblätter und schnelle Produkttests interessieren mich nur begrenzt. Ein Gerät wird für mich erst interessant, wenn es sich im Gebrauch zeigt. Ein E-Reader im Zug. Ein Stift in der Jackentasche. Ein Monitor an einem dunklen Nachmittag. Ein Kopfhörer auf Reisen. Eine SSD, die einfach mitkommt, weil sie klein genug ist.

Bei Büchern und Comics ist es ähnlich. Ich lese nicht nur, um etwas zu bewerten. Mich interessiert, wie ein Buch gemacht ist, wie es in der Hand liegt, wie Bilder und Text zusammenarbeiten, warum eine Figur hängen bleibt oder warum ein Band nach dem Lesen nicht sofort wieder im Regal verschwindet.

Eigene Websites waren für mich dabei immer wichtiger als Plattformen. Domains wie trpm.de oder spätere Projekte waren nie nur technische Ablagen. Sie waren Versuche, Themen eine eigene Form zu geben.

trpm.de hat bis heute eine besondere Bedeutung. Die Seite entstand Mitte der 1990er gemeinsam mit meinem Vater Thomas R. P. Mielke und begleitet mich seitdem durch verschiedene Phasen meines Lebens im Netz. Nach seinem Tod wurde sie noch wichtiger. Als Archiv seiner Arbeit, aber auch als Verbindung zwischen Literatur, Gestaltung und eigener Verantwortung für einen digitalen Ort.

Später entstanden andere Seiten aus ähnlichen Interessen. Waldlandmeer trägt stärker die Reisen, Landschaften, Städte und Wege. Kleinberge gehört zum Modellbau, zu Oberflächen, Patina, Miniaturwelten und kleinen gebauten Szenen. Burgturm liegt dazwischen. Nicht als Sammelbecken für alles, sondern als ältere, gewachsene Seite, auf der Lesen, Schreiben, Bildschirm, Papier, Geräte, Spiele und Orte zusammenkommen dürfen.

Das Netz hat sich seit den ersten eigenen Seiten stark verändert. Vieles ist schneller geworden, lauter, unmittelbarer und gleichzeitig austauschbarer. Texte sollen funktionieren, Bilder sollen reagieren, Beiträge sollen schnell erkennbar sein. Sichtbarkeit ist oft wichtiger als der Gegenstand selbst.

Burgturm war nie besonders gut in dieser Mechanik.

Die Seite ist kein Feed. Manche Texte werden kaum gelesen, andere überraschend lange. Manche Themen kommen nach Jahren wieder zurück. Ein alter Stift, ein Buch, ein Gerät, ein Ort. Nicht alles ist sauber geplant. Nicht alles muss in eine feste Reihe passen.

Das ist einer der Gründe, warum ich eigene Websites noch immer mag. Sie dürfen wachsen, sich verändern, alte Schichten behalten und Widersprüche aushalten. Sie müssen nicht jeden Tag gleich aussehen. Sie müssen nicht auf jede Entwicklung sofort reagieren.

Burgturm.de ist genau so geblieben. Kein Technikblog, kein Buchblog, kein Gamingmagazin, kein Reisetagebuch. Eher eine gewachsene Seite für Dinge, die gelesen, gespielt, getragen, benutzt, angeschaut oder nach Jahren wieder hervorgeholt werden.

Deshalb gibt es Burgturm.de noch. Der Name ist alt, die Themen haben sich verschoben, aber der Blick ist geblieben: nicht zuerst auf die eigene Rolle, sondern auf Bücher, Orte, Geräte, Bilder, Räume und das, was im Gebrauch auffällt.