Es beginnt leise. Ein Mann hört auf. Dreißig Jahre Manga, ein Magazin aufgebaut und wieder verschwunden. Kazuo Shiozawa zieht keinen Schlussstrich, er läuft einfach weiter. Durch Tokyo, durch Gespräche, durch Erinnerungen. Immer auf der Suche nach etwas, das sich nicht mehr so leicht greifen lässt wie früher.

„Tokyo dieser Tage“ erzählt genau davon. Vom Dazwischen. Zwischen Aufhören und Weitermachen, zwischen Anspruch und Realität, zwischen Kunst und Alltag. Shiozawa trifft Zeichner, alte Weggefährten, Leute, die geblieben sind und solche, die längst abgehängt wurden. Aus diesen Begegnungen entsteht langsam eine Idee. Keine große Vision, eher ein leiser Versuch, noch einmal etwas Eigenes zu machen.
Dabei geht es weniger um die fertige Anthologie als um den Weg dorthin. Um Zweifel, um Routinen, um diese eigentümliche Nähe zwischen Redakteuren und Mangaka, die im japanischen Markt fast schon symbiotisch wirkt. Matsumoto kennt dieses System, und man merkt es auf jeder Seite. Nichts wirkt erklärt, alles wirkt beobachtet.

Band für Band verdichtet sich das. Erst die Bewegung, dann die Reibung, schließlich die Frage, ob das alles überhaupt noch trägt. Shiozawa steht am Ende kurz vor dem Ziel, aber sicher ist da nichts. Vielleicht war es nie das Ziel, vielleicht nur der Versuch, sich selbst noch einmal ernst zu nehmen.
Visuell bleibt Matsumoto bei dem, was ihn auszeichnet. Skizzenhaft, rau, oft beiläufig. Tokyo ist hier keine Kulisse, sondern ein Zustand. Straßenzüge, Büros, Cafés, alles wirkt gleichzeitig konkret und entrückt. Man liest das nicht schnell. Man bleibt hängen, auch zwischen den Panels.

„Tokyo dieser Tage“ ist kein Manga über Erfolg. Auch keiner über das Scheitern. Eher ein stilles Kreisen um die Frage, warum man etwas macht und was davon übrig bleibt. Gerade deshalb funktioniert es so gut.
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Bildquelle: Reprodukt Verlag
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