Wer eine Reise tut, möchte auch vernünftig untergebracht sein. Mir ist dabei gar nicht so wichtig, ob alles geschniegelt modern oder besonders luxuriös wirkt. Aber ein Hotel sollte sauber sein, funktionieren und einem das Gefühl geben, dort gerne anzukommen.
Ich war vor einigen Jahren mit mehreren Bloggern auf einer Reise in Ulm unterwegs. Die Reise selbst war großartig. Ulm mochte ich sofort. Das Hotel dagegen blieb mir auf eine ganz andere Weise in Erinnerung.
Interessant war damals vor allem, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren. Einige fanden das Hotel völlig in Ordnung, andere sahen es deutlich kritischer. Wahrscheinlich hängt so etwas immer auch davon ab, worauf man persönlich achtet.
Für mich hatte das Haus seine beste Zeit bereits hinter sich.
Die Zimmer wirkten abgewohnt, vieles erinnerte eher an die siebziger Jahre als an einen Ort, an dem man sich gerne aufhält. Dazu kam, dass das Hotel extrem hellhörig war. Besonders merkwürdig war die Verbindungstür zum Nachbarzimmer.
Abends hörte man plötzlich Stimmen direkt neben dem Bett.
„Da muss es doch weitergehen.“
„Zieh nochmal.“
„Nee, geht nicht auf.“
Man bekam unfreiwillig jedes Gespräch mit. Selbst normale Unterhaltungen auf dem Flur klangen, als würden sie direkt im Zimmer stattfinden.
Die Minibar war leer, obwohl im Zimmerordner etwas anderes stand. Die Handtücher fühlten sich seltsam an, das Bad zeigte deutliche Gebrauchsspuren und die lose Deckenplatte über der Badewanne sorgte nicht gerade für Vertrauen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings der Kleiderhaken an der Badezimmertür.
Dieses schief montierte Ding sah aus wie ein betrunkener Krake, der einen jederzeit zum Boxkampf herausfordern könnte.
Seitdem kann ich solche Haken nicht mehr ansehen, ohne daran zu denken.
Natürlich sind solche Dinge einzeln betrachtet oft Kleinigkeiten. Zusammen ergeben sie aber einen Eindruck. Und genau darum geht es am Ende bei Reisen und Hotels. Nicht um Sterne auf dem Papier, sondern darum, ob man sich an einem Ort gerne aufhält oder eben nicht.
Unangenehm wurde es allerdings erst beim Frühstück.
Direkt neben mehreren Gästen geriet Personal lautstark aneinander. Das Ganze endete in einer Diskussion mit einer Wortwahl, die man weder beim Frühstück noch überhaupt in einem Hotel hören möchte.
An unserem Tisch wurde es plötzlich sehr still.
Das alles war schade, denn die eigentliche Reise war gelungen. Die Stadt, die Gespräche und das Unterwegssein selbst blieben positiv in Erinnerung. Nur das Hotel passte für mich einfach nicht dazu.
Und ja, auch darüber sollte man schreiben dürfen.
Nicht jede Reise ist perfekt und nicht jedes Hotel automatisch gut, nur weil es Teil einer Veranstaltung oder Bloggerreise ist. Gerade ehrliche Eindrücke machen solche Texte am Ende vielleicht interessanter als reine Wohlfühlberichte.
Der betrunkene Krake jedenfalls ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.

