Thomas R. P. Mielke – warum mich sein Schreiben bis heute prägt

Thomas R. P. Mielke – warum mich sein Schreiben bis heute prägt

Ein Mann, ein Vater, eine Art Mentor. Und jemand, den ich heute vermisse. So wie meine Mutter auch.

Ich bin kein religiöser Mensch. Aber der Gedanke, dass beide irgendwo sind, vielleicht sogar zusammen, ist einer, den ich zulasse.

Mein Vater war Thomas R. P. Mielke. Dieses „R. P.“ hat er oft mit einem leichten Lächeln als „Reine Phantasie“ ausgelegt. Erst ein Scherz, dann blieb es. Über die Jahre wurde daraus etwas, das zu ihm gehörte, ohne dass er es je groß vor sich hergetragen hätte.

Manches verschwindet nicht. Es rückt nur nach hinten, wird leiser, taucht seltener im Alltag auf. Aber es ist noch da.

Mein Vater hat geschrieben. Für mich war das selbstverständlich. Bücher, Manuskripte, Notizen lagen einfach herum. Es wurde gelesen, gearbeitet, gedacht. Ich bin damit aufgewachsen, ohne es einordnen zu können.

Er wurde 1940 in Detmold geboren, wuchs im Ostharz und in Rostock auf und ging mit fünfzehn allein in den Westen. Danach folgten Jahre, die nichts mit Literatur zu tun hatten. Schiffsschmied, Gärtner, später die Ausbildung zum Fluglotsen. Erst danach Hamburg, Werbeakademie, Agenturen. Texter, Konzeptioner, Creative Director. Über Jahrzehnte.

Sätze, die man kannte, ohne seinen Namen zu kennen. „Berlin tut gut“. „Mach’s mit“.

Und daneben immer das Schreiben. 1961 erschien sein erster Roman, Science-Fiction, unter Pseudonym. Es folgten Heftromane, Serien wie Rex Corda und Ad Astra, später Die Terranauten. Wenn man das heute liest, merkt man, wie nah manches an dem ist, was uns heute beschäftigt. Er hat es nicht erklärt, sondern erzählt.

Er hat nie klein gedacht. Auch dann nicht, wenn das Format klein war.

Der Wechsel ins Taschenbuch gelang. Bücher bei Bastei Lübbe, Schneekluth, Nachdrucke, Übersetzungen. Für Das Sakriversum erhielt er den Kurd-Laßwitz-Preis. Und dann Der Tag, an dem die Mauer brach. Mitte der achtziger Jahre geschrieben, zu einem Zeitpunkt, als kaum jemand so etwas für möglich hielt.

Später die historischen Romane. Gilgamesch, Attila, Karl der Große, Karl Martell. Stoffe, die weit zurückliegen und trotzdem nah wirken, weil es ihm nie nur um Ereignisse ging, sondern um Zusammenhänge.

An Attila und Karl Martell habe ich selbst mitgearbeitet. Wir saßen eine Zeit lang täglich nebeneinander, jeder an seinem Rechner, und gingen die Texte gemeinsam durch. Morgens angefangen, oft bis in den Abend. Dazwischen Frühstück, Pausen, Gespräche über Familie und alles, was gerade da war. Dann wieder zurück an die Arbeit.

Das war ruhig und konzentriert. Lesen, korrigieren, umstellen, manchmal neu denken. Abends war man müde, aber nicht erschöpft. Eher zufrieden, weil etwas vorangegangen war.

„Reine Phantasie“ passt, aber nicht im leichten Sinn. Dahinter steckte immer auch Struktur, Disziplin und ein klarer Blick für größere Linien.

Ich merke heute, wie viel davon geblieben ist. Warum ich lese, warum ich schreibe und warum BURGTURM so ist, wie es ist. Keine schnellen Urteile, keine reinen Rezensionen. Eher der Versuch, Dinge zusammenzubringen und ernst zu nehmen.

Seine Website existiert noch.
https://trpm.de

Ich kümmere mich darum. Nicht, weil ich ein Archiv führen will, sondern weil es sich falsch anfühlen würde, es einfach liegen zu lassen. Die Texte sind da, die Bücher auch. Und wenn man sich darauf einlässt, merkt man schnell, dass das alles nicht abgeschlossen ist.

„Mehr war nicht, es war ein ruhiges, beschauliches Leben“, hat er einmal gesagt.

Vielleicht stimmt das. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum so viel davon geblieben ist.


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