OHTO Sharp Pencil 2.0 aus Japan: Holz, Mine und ein guter Griff

OHTO Sharp Pencil 2.0 aus Japan: Holz, Mine und ein guter Griff

Manche Stifte wirken zuerst über ihre Funktion. Andere über ihre Form. Der OHTO Sharp Pencil 2.0 gehört für mich eher zur zweiten Sorte. Er liegt auf dem Tisch und sieht nicht aus wie ein technisches Schreibgerät, sondern wie ein Bleistift, der irgendwann beschlossen hat, etwas länger zu bleiben.

Der Schaft ist sechseckig, aus Holz und etwas kräftiger als bei einem gewöhnlichen Bleistift. Genau das macht viel aus. Der Stift liegt ruhig in der Hand, ohne schwer zu sein. Er fühlt sich vertraut an, aber nicht beliebig. Man greift ihn fast automatisch etwas anders als einen dünnen Druckbleistift aus Kunststoff oder Metall. Weniger spitz, weniger nervös, mehr wie ein Werkzeug, das nicht dauernd erklärt werden muss.

Im Inneren arbeitet keine klassische Bleistiftmine, sondern eine 2,0-mm-Mine, die über einen Druckmechanismus nach vorne geschoben wird. Das erinnert auf den ersten Blick an einen Fallminenstift, funktioniert aber kontrollierter. Die Mine fällt nicht heraus, sie kommt Stück für Stück nach vorn. Das passt gut zu diesem Stift, weil er ohnehin irgendwo zwischen Bleistift, Druckbleistift und kleinem Zeichenwerkzeug steht.

Gerade diese Zwischenposition macht ihn interessant.

Ein normaler Bleistift wird kürzer, verändert sich, muss gespitzt werden und trägt seine Abnutzung offen mit sich herum. Ein Druckbleistift bleibt meist sauber, technisch und gleichförmig. Der OHTO Sharp Pencil 2.0 steht dazwischen. Er hat den hölzernen Körper und die Anmutung eines klassischen Bleistifts, aber die Mine lässt sich nachladen. Man benutzt ihn also wie etwas Vertrautes, ohne ihn dabei langsam aufzubrauchen.

Das Ende des Stifts ist mit einer messingfarbenen Kappe abgeschlossen. Darunter sitzt ein kleiner Radiergummi, und über diese Kappe werden auch die Ersatzminen nachgeladen. Das ist nicht spektakulär, aber schön gelöst. Der kleine Metallabschluss gibt dem Stift genau genug Gewicht und Haltung, ohne ihn in Richtung Luxus-Schreibgerät zu drücken. Er bleibt ein Gebrauchsgegenstand.

Mit etwa 14 Zentimetern Länge passt er gut zu Notizbüchern. Nicht zu groß, nicht zu kurz, kein demonstratives Atelierwerkzeug. Eher ein Stift, den man in eine Tasche steckt, neben ein Field Notes legt oder auf dem Schreibtisch liegen lässt, ohne weiter darüber nachzudenken. Gerade bei Skizzen, schnellen Notizen oder kleinen Zeichnungen wirkt diese 2,0-mm-Mine angenehm. Sie ist kräftiger als die üblichen feinen Druckbleistiftminen, aber nicht so stumpf, dass man sofort das Gefühl hat, grob zu arbeiten.

Ich mag an diesem Stift vor allem, dass er nicht versucht, besonders modern zu sein. Er hat etwas fast Schulisches, aber nicht im billigen Sinn. Eher wie ein Gegenstand, den man auch vor vierzig Jahren schon verstanden hätte. Holz, Mine, Radiergummi, Kappe. Mehr braucht es nicht. Und trotzdem ist er kein gewöhnlicher Bleistift.

Beim Zeichnen merkt man schnell, dass die dickere Mine dem Strich etwas Körper gibt. Man kann leicht skizzieren, aber auch kräftiger werden. Kleine Schraffuren, Linien, Markierungen, schnelle Notizen am Rand einer Seite: Dafür ist er gemacht. Nicht für perfekte technische Zeichnungen, nicht für repräsentative Handschrift, sondern für dieses Dazwischen aus Denken, Probieren und Festhalten.

Auch das Radieren gehört hier irgendwie dazu. Der kleine Radiergummi am Ende ist keine große Lösung für ganze Seiten, aber für Korrekturen reicht er. Und weil der Stift insgesamt so einfach gebaut ist, fühlt sich selbst dieses kleine Zurücknehmen eines Strichs passend an. Schreiben, radieren, weiterzeichnen. Kein Vorgang wird größer gemacht, als er ist.

Der OHTO Sharp Pencil 2.0 ist für mich kein Stift, den man braucht, weil er irgendein Problem löst. Dafür gibt es zu viele andere Bleistifte, Druckbleistifte und Fallminenstifte. Er ist eher einer dieser Gegenstände, die man gerne benutzt, weil sie eine bestimmte Ruhe haben. Er sieht gut aus, liegt gut in der Hand und bringt ein wenig von dieser alten Bleistift-Selbstverständlichkeit zurück, ohne wirklich ein normaler Bleistift zu sein.

Auf meinem Schreibtisch passt er gut zwischen Notizbuch, Papier und andere kleine Werkzeuge. Nicht als Sammlerstück, eher als Stift, der liegen bleiben darf. Einer, den man nimmt, wenn man nicht lange über das Werkzeug nachdenken möchte, aber trotzdem merkt, dass es einen Unterschied macht, welches man in der Hand hat.


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