Fragmente eines Lebens

Fragmente eines Lebens

Ich wollte das schon lange festhalten. Immer wieder habe ich es verschoben und dann wieder vergessen. Irgendwann kam der Gedanke zurück – vielleicht, weil Erinnerungen genau so funktionieren. Also schreibe ich es auf. In einem Notizbuch, nicht online. Für mich.

Woran ich mich erinnere – diese Dinge im Leben

Mit der Zeit werden sie weniger. Oder vielleicht nur unschärfer. Was bleibt, sind keine durchgehenden Geschichten, sondern Fragmente. Einzelne Bilder, Gerüche, Situationen. Dinge, die sich nicht mehr ganz einordnen lassen, aber trotzdem da sind.

Vieles beginnt früh. Kindheit, die nur noch in Momenten auftaucht. Meine Großeltern. Meine Eltern. Italien, das Meer, die Berge. Eine erste Katze, ein Hund. Dinge, die damals selbstverständlich waren und heute weiter entfernt wirken, als sie eigentlich sind.

Dann kommt diese andere Phase. Schule. Erste Konflikte. Der Moment, in dem man merkt, dass man sich behaupten muss. Dass Zurückschlagen manchmal einfacher ist als Nachgeben. Nicht unbedingt besser, aber einfacher.

Und irgendwann verschiebt sich alles. Jugend. Nächte, die länger werden. Discos am Ku’damm, Kneipen, Bars. Dieses West-Berlin der Achtziger, laut, manchmal chaotisch und genau deshalb richtig. Erste Male, die man nicht vergisst. Das erste Betrunkensein. Die erste Zigarette. Der Versuch, erwachsen zu wirken, ohne es zu sein. Die erste Freundin, der erste Sex. Alles gleichzeitig zu viel und genau deshalb prägend.

Es ist auch die Zeit, in der man ausprobiert, wer man sein will. Popper, New Romantic, irgendetwas dazwischen. Rollen, die man annimmt und wieder ablegt. Kleidung, Musik, Haltung. Nichts davon bleibt ganz, aber alles hinterlässt Spuren.

Und immer wieder Musik. Konzerte, die sich eingebrannt haben. AC/DC in der Deutschlandhalle. Später David Bowie und Jean-Michel Jarre in der Waldbühne. Räume, in denen man steht und merkt, dass etwas hängen bleibt, ohne dass man es sofort benennen kann.

Dazwischen dieses langsame Weitergehen. Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin. Kinobesuche mit meinem Vater. Krieg der Sterne zum zehnten Geburtstag, danach Burger und dieses Gefühl, dass das gerade alles ist. Eine selbstgebaute Ritterburg, die damals größer war als alles andere.

Es sind keine klaren Linien. Eher Verbindungen, die sich erst im Rückblick ergeben. Skateboards in den Achtzigern. Rollschuhe, bevor sie anders hießen. Telefonate innerhalb von West-Berlin, die ein paar Pfennig kosteten, und eine Zeit, in der vieles selbstverständlich wirkte. Vielleicht, weil man selbst weniger wusste.

Reisen kommen dazu. Mont Blanc. Wales. London. Rom. Ischia. Menorca und mehr. Orte, die sich nicht über Sehenswürdigkeiten definieren, sondern über das Gefühl, dort gewesen zu sein.

Und heute? Vieles ist anders. Schneller. Verfügbarer. Das Netz ist immer da. Geräte können mehr, als man sich früher vorgestellt hat. Aber das Entscheidende bleibt: diese einzelnen Momente, die sich nicht ganz auflösen.

Vielleicht reicht das. Kein Tagebuch, keine Chronologie. Eher ein Festhalten von dem, was geblieben ist.

Ich schreibe das nicht, um etwas zu erklären. Sondern um es nicht ganz zu verlieren.

Vor 8 Jahren kam mir dieser Gedanke schon einmal: „Kind, Junge, Mann: Woran ich mich gerne erinnere …


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