Ich schreibe, um Dinge zu verstehen. Nicht, um möglichst viel Text zu produzieren. Ein Gedanke wird für mich erst greifbar, wenn er irgendwo steht. Vorher bleibt er vage.
Seit einiger Zeit ist ein weiteres Werkzeug dazugekommen. KI.
Ich habe lange gezögert, sie überhaupt zu nutzen. Die Sorge war da, dass Texte glatter werden, austauschbarer, vielleicht auch leerer. Dass genau das verschwindet, was Schreiben für mich ausmacht. Dieses Suchen nach einer Formulierung, das Ringen mit einem Satz, der noch nicht sitzt.
Ganz weg ist diese Skepsis nicht. Aber sie hat sich verändert.
Vielleicht auch, weil mir diese Art von Umbruch nicht ganz fremd ist. Nur kam er früher aus einer anderen Richtung.
Ich habe einmal handwerklich gearbeitet. Werkzeuge waren nichts Abstraktes, sondern etwas, das man täglich in der Hand hatte. Handsägen, Pinsel, Schrauben, die man von Hand eindreht. Dinge, die Zeit brauchen. Dinge, bei denen man jeden Schritt mitbekommt.
Irgendwann kamen andere Werkzeuge dazu. Elektrosägen, Sprühpistolen, Akkuschrauber. Vieles ging schneller, vieles leichter. Die Arbeit wurde dadurch nicht automatisch besser, aber sie wurde anders. Und man musste lernen, damit umzugehen. Ein Akkuschrauber dreht eine Schraube schneller rein, aber er kann sie auch schneller zerstören.
So fühlt sich das für mich mit KI an.
Ich sehe sie nicht als Ersatz. Eher als ein Werkzeug, das an bestimmten Stellen sinnvoll ist.
Am Anfang eines Textes gehört sie für mich nicht hin. Da brauche ich Ruhe. Ein leeres Dokument oder ein Notizbuch. Einen Gedanken, der noch keinen klaren Satz hat. Diese Phase ist oft unklar und manchmal mühsam, aber genau dort entsteht etwas Eigenes. Das würde ich nicht abgeben wollen.
Interessant wird es erst später. Wenn ein Text schon da ist, aber noch nicht richtig funktioniert. Wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt, ohne genau sagen zu können, was.
Dann kann KI helfen. Nicht, indem sie den Text schreibt, sondern indem sie ihn spiegelt. Sie zeigt Strukturen, die ich selbst übersehe. Sie macht sichtbar, wo etwas zu viel ist oder wo etwas fehlt. Manchmal lasse ich mir Varianten formulieren, einfach um zu sehen, wie sich ein Gedanke anders anfühlt.
Ich übernehme das nicht einfach. Es geht eher darum, den eigenen Text wieder klarer zu sehen.
Das hilft mir vor allem bei Übergängen oder bei Stellen, die sich ziehen. Absätze, die zu viel erklären und zu wenig sagen. In solchen Momenten ist es hilfreich, eine Art Gegenüber zu haben, das reagiert, ohne selbst etwas zu wollen.
Gleichzeitig gibt es Grenzen, die für mich klar sind.
Ich lasse keine Texte komplett schreiben. Keine fertigen Artikel, die ich nur noch anpassen muss. Das würde sich für mich falsch anfühlen. Nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern weil mir der Weg dahin fehlen würde. Der Text wäre da, aber er hätte für mich keinen Ursprung mehr.
Das hat auch mit meiner Beziehung zur Sprache zu tun.
Ein Teil meiner Schulzeit war in Italien, ein Teil in Deutschland. Rechtschreibung habe ich in einer anderen Zeit gelernt. Manche Dinge wirken für mich bis heute ungewohnt, obwohl sie richtig sind. Nicht aus Ablehnung, sondern weil sie sich beim Schreiben nicht natürlich anfühlen.
Deshalb habe ich schon immer mit Hilfsmitteln gearbeitet. Mal ein Thesaurus, um ein passenderes Wort zu finden. Mal ein Tool wie der Duden Mentor, um sicherzugehen, dass etwas so stehen kann. Das war nie ein Ersatz für das Schreiben, sondern eher ein Korrektiv.
In diesem Zusammenhang ist KI kein kompletter Bruch. Eher eine Weiterentwicklung.
Ich nutze sie auch nicht, um Unsicherheit zu kaschieren. Ein Text darf für mich offen bleiben. Er darf Zweifel haben. Er muss nicht alles auflösen. Genau diese Unschärfe macht ihn oft erst interessant. KI tendiert dazu, Dinge zu glätten. Das ist nachvollziehbar, nimmt einem Text aber auch etwas.
Ich merke das nicht nur beim Schreiben.
Ich probiere auch im Bereich Audio und Bild mit KI herum. Für mich selbst, aus Neugier. Ein paar Titelbilder hier sind so entstanden, aber das ist eher die Ausnahme. Der größte Teil bleibt meine eigene Arbeit.
Wobei auch das nicht ganz so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Wann beginnt eigentlich Veränderung? Wenn ich Kontrast anpasse, Schärfe erhöhe oder ein Bild zuschneide? Viele Programme arbeiten längst mit Funktionen, die man vor ein paar Jahren noch klar als „intelligent“ bezeichnet hätte.
Ich merke das an ganz einfachen Dingen. Mein iPhone schlägt mir vor, störende Elemente aus einem Foto zu entfernen. Ein Stück Müll im Hintergrund, eine Person, die zufällig durchs Bild läuft.
Früher hätte ich das mühsam retuschiert. Heute geht es fast nebenbei.
Für mich ist das kein grundsätzlicher Unterschied. Es ist eher eine Verschiebung im Aufwand. Die Entscheidung, was ich zeige, treffe ich immer noch selbst. Nur der Weg dahin ist einfacher geworden.
Am Ende läuft es beim Schreiben ähnlich.
Ich schreibe meine Texte selbst. Oft zu lang, oft noch unsauber. Dann gehe ich noch einmal darüber, streiche, verschiebe, formuliere um. Und wenn ich an einen Punkt komme, an dem ich nicht weiterkomme, nutze ich ein Werkzeug.
Früher war das ein Wörterbuch oder ein Rechtschreibprogramm. Heute ist es manchmal KI.
Danach arbeite ich wieder allein weiter.
Der Text wird dadurch nicht automatisch besser. Er wird besser, wenn ich klarer sehe, was ich sagen will.
Alles andere ist zweitrangig.

