Warum ich ein E-Ink-Tablet will, aber noch keins gekauft habe

Warum ich ein E-Ink-Tablet will, aber noch keins gekauft habe

Ich mag Papier. Nicht aus Gewohnheit, sondern weil es funktioniert. Es ist da, wenn man es braucht. Es lenkt nicht ab. Es verlangt keine Entscheidung.

Trotzdem schaue ich seit einiger Zeit auf E-Ink-Tablets.

Nicht, weil ich glaube, dass ein Gerät automatisch besser schreibt als Papier. Mich interessiert eher der Punkt, an dem Papier an Grenzen kommt. Wenn Notizen sich verteilen. Wenn Texte ausgedruckt werden müssten. Wenn unterwegs etwas festgehalten werden soll, ohne gleich wieder vor einem normalen Bildschirm zu sitzen.

Diese Fragen habe ich an anderer Stelle schon ausführlicher beschrieben, etwa in dem Artikeln „E-Ink Tablets im Alltag: Schreiben ohne Bildschirm gedacht“ und „Schreiben unterwegs – Gedanken zwischen Flug, Notizbuch und E-Ink„.

Die Geräte selbst stehen für unterschiedliche Antworten auf genau dieses Problem.

Das reMarkable Paper Pro wirkt wie der Versuch, Papier möglichst konsequent ins Digitale zu übersetzen. Ein großes Farbdisplay, Leselicht, ein klarer Fokus auf Schreiben, Lesen und Markieren. Kein Tablet-Ersatz, sondern ein Arbeitsgerät für Gedanken.

Das Supernote Manta geht in eine ähnliche Richtung, wirkt dabei aber noch näher am klassischen Notizbuch. 10,7 Zoll, 300 ppi, kein Frontlicht. Dazu kommt der Gedanke, dass ein Gerät länger genutzt werden soll und nicht einfach ersetzt wird.

Das BOOX Note Air 5 C steht für das Gegenteil von Reduktion. Ein offenes Android-System, Farb-E-Paper, mehr Leistung, mehr Möglichkeiten. Es ist näher an einem Tablet, nur mit einem anderen Display. Das kann sinnvoll sein. Es kann aber auch genau das wieder öffnen, was man eigentlich schließen wollte.

Das PocketBook InkPad One wiederum ist für mich weniger ein Schreibgerät als ein großes Lesegerät. 10,3 Zoll, E Ink Mobius, Beleuchtung, Audiofunktion. Es verschiebt den Fokus weg vom Notieren hin zum Lesen.

Ich sehe, was diese Geräte leisten wollen. Der Reiz ist auch klar.

Und trotzdem habe ich noch keins gekauft.

Der erste Grund ist banal. Diese Geräte sind teuer genug, dass man sich nicht einfach ausprobieren kann. Ein Notizbuch ist schnell ersetzt. Ein E-Ink-Tablet ist eine Entscheidung.

Der zweite Grund ist schwieriger zu greifen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein digitales Notizbuch brauche oder ob ich nur die Idee davon mag.

Die Vorstellung wirkt erst einmal überzeugend. Alles an einem Ort. Weniger Ablenkung. Schreiben, lesen, markieren, ohne zwischen Geräten zu wechseln. Ein klarer Arbeitsraum.

Im Alltag funktioniert das selten so.

Werkzeuge scheitern selten an dem, was sie versprechen. Sie scheitern an den Momenten dazwischen. Ist das Gerät griffbereit. Ist der Stift dabei. Ist der Akku geladen. Nutzt man es auch dann, wenn es schnell gehen muss.

Papier funktioniert nicht, weil es besser ist. Papier funktioniert, weil es da ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach Ablenkung. Ein E-Ink-Gerät soll reduzieren. Aber Reduktion entsteht nicht allein durch Technik. Ein offenes System wie beim BOOX Note Air 5 C kann viel. Vielleicht zu viel. Ein reMarkable oder Supernote kann weniger. Vielleicht genau richtig.

Diese Gedanken hängen auch mit einer anderen Beobachtung zusammen, die ich in „Mobiles Arbeiten und der fehlende Raum“ beschrieben habe. Arbeit braucht Raum. Nicht nur physisch, sondern auch gedanklich. Ein Gerät kann diesen Raum unterstützen. Es kann ihn aber nicht ersetzen.

Ich glaube nicht, dass ein E-Ink-Tablet die Art zu arbeiten grundlegend verändert. Aber es kann Reibung verschieben. Es kann Dinge leichter machen, die vorher umständlich waren. Es kann Dinge sichtbarer machen, die sonst untergehen.

Vielleicht liegt genau darin der Wert. Nicht in der Technik, sondern in der Reduktion.

Trotzdem bleibe ich vorsichtig.

Ein gutes Werkzeug erkennt man nicht daran, dass es viel kann. Man erkennt es daran, dass man es nutzt. Und ich bin noch nicht sicher, welches dieser Geräte bei mir nicht nur interessant wäre, sondern selbstverständlich.

Bis dahin bleibt Papier mein Maßstab. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Erfahrung.

Ein E-Ink-Tablet müsste nicht besser sein. Es müsste nur im richtigen Moment praktischer sein.

Und genau an diesem Punkt ist die Entscheidung noch offen.


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