Es gibt Geräte, die man nicht einfach nach Datenblatt kaufen sollte. E-Ink-Geräte gehören dazu. Auf dem Papier wirken viele Modelle ähnlich: ein großes Display, ein Stift, lange Akkulaufzeit und das Versprechen von weniger Ablenkung. In der Praxis entscheidet aber nicht die Technik allein, sondern die Frage, wie man arbeitet.
Ich schreibe diesen Text nicht als Test. Ich habe die Geräte nicht im Alltag genutzt. Es geht hier nicht um eine Bewertung, sondern um eine Einordnung. Die Unterschiede liegen weniger in einzelnen Funktionen als in den Ideen, die hinter den Geräten stehen.
Wer sich grundsätzlich mit der Frage beschäftigt, ob Papier, E-Ink oder Bildschirm im Alltag besser funktioniert, findet dazu bereits Gedanken in den Artikeln „E-Ink Tablets im Alltag: Schreiben ohne Bildschirm gedacht“ und „Schreiben unterwegs – Gedanken zwischen Flug, Notizbuch und E-Ink“.
Hier geht es einen Schritt weiter. Nicht mehr ob, sondern welches Konzept.
Vier Modelle stehen dabei für unterschiedliche Ansätze: PocketBook InkPad One, BOOX Note Air 5 C, reMarkable Paper Pro und Supernote Manta.
Das PocketBook InkPad One ist in dieser Runde vor allem ein großer E-Reader. PocketBook nennt ein 10,3-Zoll-Display mit E Ink Mobius, 226 dpi, Beleuchtung, Bluetooth und Audiofunktion. Es ist kein Gerät, das sich vorrangig als digitales Notizbuch versteht, sondern eines, das Lesen auf mehr Fläche ermöglicht.
Damit wirkt das PocketBook InkPad One wie ein Gerät für Menschen, die vor allem lesen wollen. Nicht gelegentlich, sondern regelmäßig und konzentriert. Wer viele Texte, längere Dokumente oder Fachbücher liest, bekommt hier mehr Raum. Wer dagegen ein Gerät sucht, das ein Notizbuch ersetzt, sollte genauer hinsehen.
Das BOOX Note Air 5 C geht einen anderen Weg. BOOX positioniert es als 10,3-Zoll-Android-Gerät mit Farb-E-Paper, Android 15, 6 GB RAM und einem offenen System. Das ist kein reduziertes Schreibgerät, sondern eher ein E-Ink-Tablet.
Genau darin liegt der Unterschied. Wer ein Gerät sucht, das möglichst viel kann, wird hier fündig. Wer bewusst weniger will, muss aufpassen. Ein offenes System kann helfen, es kann aber auch genau das zurückbringen, was man eigentlich vermeiden wollte.
Das reMarkable Paper Pro ist klar als Schreib- und Denkgerät positioniert. reMarkable spricht von einem 11,8-Zoll-Farbdisplay, Leselicht und einem Fokus auf Handschrift, Lesen und Markieren. Es wirkt nicht wie ein Tablet-Ersatz, sondern wie ein digitales Papierformat.
Das ist die konsequenteste Richtung, wenn Schreiben im Mittelpunkt steht. Nicht Tippen, nicht Apps, sondern Gedanken festhalten, strukturieren und sichtbar machen. Der Preis dafür ist ein geschlossenes Konzept. Wer Flexibilität sucht, wird hier eher Grenzen finden.
Das Supernote Manta wirkt konzeptionell näher am Notizbuch als am Tablet. Supernote nennt ein 10,7-Zoll-E-Ink-Display mit 300 ppi, ohne Frontlicht, und legt den Fokus stärker auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit.
Das fehlende Frontlicht ist dabei kein Detail. Es verändert die Nutzung. Wer viel abends liest, wird das merken. Wer tagsüber schreibt, vielleicht nicht. Das Gerät wirkt wie ein Werkzeug, das bewusst nicht alles können will.
Spannend wird es an einem anderen Punkt: wenn man die Geräte nicht als Konkurrenz sieht, sondern als Antworten auf unterschiedliche Arbeitsweisen.
Das PocketBook InkPad One steht für Lesen. Das BOOX Note Air 5 C für ein offenes System. Das reMarkable Paper Pro für reduziertes Schreiben. Das Supernote Manta für handschriftliches Arbeiten mit Notizbuch-Charakter.
An dieser Stelle kippt die Frage nach dem „besten“ Gerät. Wer viele Bücher liest, wird mit einem reinen Schreibfokus nicht automatisch glücklich. Wer Ablenkung reduzieren will, könnte mit einem offenen System hadern. Wer abends liest, sollte ein Gerät ohne Frontlicht nicht schönreden.
Für BURGTURM ist an diesen Geräten nicht die Technik allein interessant. Interessant ist, dass sie eine alte Frage neu stellen: Wie viel Digitales braucht Arbeit eigentlich?
Diese Frage zieht sich auch durch den Artikel „Mobiles Arbeiten und der fehlende Raum“.
Manchmal geht es nicht darum, mehr zu können. Manchmal geht es darum, weniger Reibung zu haben.
Ich würde sie deshalb nicht wie klassische Gadgets betrachten.
Ich würde fragen, was im eigenen Alltag verschwinden soll.
Wenn Ablenkung verschwinden soll, wirken reMarkable Paper Pro und Supernote Manta naheliegender. Wenn Papierstapel und Ausdrucke verschwinden sollen, wird das PocketBook InkPad One interessant. Wenn ein klassisches Tablet zu viel ist, aber ein reines Notizgerät zu wenig, erklärt sich der Reiz des BOOX Note Air 5 C.
Kaufen würde ich keines dieser Geräte blind. Dafür sind sie zu teuer und zu speziell. Aber sie zeigen, dass es nicht nur um Technik geht, sondern um Arbeitsweise.

