Mehr als einen Monat nutze ich das PocketBook InkPad One nun schon. Nicht jeden Tag und auch nicht als ständigen Begleiter. Mit E-Books muss ich nach wie vor warm werden. Vielleicht will ich das auch etwas zu sehr, weil die Vorteile natürlich auf der Hand liegen: keine schweren Bücher in der Tasche, alles an einem Ort und fast jederzeit verfügbar.
Auf meiner Reise nach Goslar hatte ich das PocketBook InkPad One im Zug dabei. Zum ersten Mal war ich überhaupt mit einem E-Book-Reader im Zug unterwegs. Das PocketBook passte dort ziemlich genau zu dem, was ich von einem großen E-Reader erwarte: einschalten, Buch öffnen und lesen. Kein Stapel im Gepäck, keine Entscheidung, welches Buch noch mitmuss. Der Reader ist da und mit ihm die Bücher, die vorher darauf gelandet sind.
Das hier soll trotzdem kein PocketBook InkPad One Test mit Punktwerten, Tabellen und einer Aufzählung sämtlicher Funktionen werden. Die technischen Daten stehen auf der Produktseite. Für meinen Alltag sind vor allem das 10,3-Zoll-Display, die Darstellung in 16 Graustufen, die Beleuchtung und der mitgelieferte aktive Stift wichtig.

An das Lesen auf dem E-Ink-Display habe ich mich schneller gewöhnt, als ich zunächst dachte. Natürlich fehlt das Papier in der Hand. Es gibt keine Seiten, keinen Einband und auch nicht dieses Gefühl, ungefähr zu wissen, wo man sich im Buch gerade befindet. Dafür ist das matte Display angenehm. Die Schrift wirkt ruhig und die Größe lässt genug Platz, damit eine Buchseite nicht nach Smartphone aussieht.
Die Lichtverhältnisse spielen meistens keine große Rolle. Bei Bedarf lässt sich die Beleuchtung zuschalten. Im Zug, abends oder in etwas dunkleren Räumen funktioniert das gut. Nur bei sehr hellem Tageslicht und direkter Sonne hatte ich Situationen, in denen das Lesen für mich weniger angenehm wurde. Das ist meine Wahrnehmung und kein grundsätzliches Problem des Displays.
Beim Umblättern wirkt das InkPad One hin und wieder etwas träge. Nicht so, dass es mich beim Lesen ernsthaft stört. Man merkt aber, dass hier kein Tablet arbeitet. Wer von einem iPad kommt und überall eine unmittelbare Reaktion erwartet, wird sich umstellen müssen. Beim normalen Lesen fiel mir das nach einiger Zeit kaum noch auf.
Deutlicher wird meine Zurückhaltung bei Graphic Novels und Comics. Die Größe des Displays passt dafür durchaus. Im Vergleich zu den üblichen E-Readern mit 6-Zoll-Display bietet das InkPad One mit 10,3 Zoll deutlich mehr Fläche. Seiten, Panels und Schrift müssen dadurch seltener vergrößert werden. Schwarzweiße Zeichnungen sehen sogar erstaunlich gut aus, etwa bei „Die hermetische Garage – Jäger und Gejagte“ mit den großartigen Zeichnungen von Moebius. Klare Linien, starke Kontraste und Tuschezeichnungen funktionieren auf dem InkPad One besser, als ich erwartet hatte.
Sobald eine Graphic Novel von ihren Farben lebt, fehlt mir allerdings etwas. Graustufen können Farben nicht ersetzen. Flächen verlieren ihre Wirkung, Stimmungen verändern sich und manche Seiten wirken deutlich flacher als im gedruckten Buch oder auf einem Farbdisplay. Das ist kein Fehler des Geräts. Das InkPad One ist ein Schwarzweiß-E-Reader. Für meine Mischung aus Romanen, Comics und Graphic Novels ist es trotzdem eine Einschränkung, die ich nicht einfach wegreden kann.

Der Stift gehört für mich zu den interessanteren Teilen des Geräts, auch wenn ich ihn bisher seltener nutze als gedacht. Markierungen, kurze Kommentare und Notizen funktionieren. Für einen Gedanken am Rand eines PDFs oder eine schnelle Anmerkung reicht das aus.
In meinem ersten Text zum Gerät schrieb ich:
„Der Stift liegt dabei. Markieren, kommentieren, Notizen schreiben, direkt im Dokument arbeiten. Ich erwarte davon kein perfektes digitales Notizbuch. Papier ersetzt das nicht. Aber eine Randnotiz in einem PDF, ein markierter Satz, eine kleine Skizze oder ein Gedanke, der nicht sofort verschwinden soll, müssen ohne viel Umweg funktionieren.“
Diese Erwartung erfüllt das InkPad One grundsätzlich. Die Notizfunktionen bleiben für mich aber eher eine Ergänzung zum Lesen. Wer viel schreibt, recherchiert, kommentiert, skizziert und längere Texte handschriftlich bearbeitet, wird vermutlich mehr erwarten. Die Bedienung dürfte dafür flotter sein und das gesamte Gerät müsste sich stärker um Notizen und Annotationen drehen.
Geräte wie das Supernote Manta, das reMarkable Paper Pro oder das BOOX Note Air5 C wirken auf mich stärker auf diese Arbeit ausgerichtet. Ich besitze keines davon und kann deshalb keinen direkten Vergleich ziehen. Warum sie für meine Anforderungen trotzdem interessant sind, habe ich im Artikel „Zwischen reMarkable Paper Pro, Supernote Manta und BOOX Note Air5 C“ beschrieben.
Das PocketBook InkPad One steht für mich vor allem für das Lesen. Genau das macht es gut. Romane, längere Texte und PDFs profitieren von der großen Fläche. Die gelegentliche Trägheit gehört dazu, ohne den eigentlichen Zweck zu zerstören. Auch preislich halte ich das Gerät für angemessen, wenn man ein großes E-Ink-Display sucht und den Stift eher ergänzend verwenden möchte.
Hörbücher habe ich nicht ausprobiert. Dafür werde ich das InkPad One vermutlich auch künftig nicht nutzen. Das übernehmen bei mir das iPhone und Kopfhörer wie die Sennheiser MOMENTUM True Wireless 4. Ich brauche nicht jede mögliche Funktion eines Geräts, nur weil sie vorhanden ist.
Damit ist für mich recht klar, wo das PocketBook InkPad One seinen Platz hat. Es ist ein großer, ruhiger E-Reader für Bücher, PDFs und gelegentliche Notizen. Wer hauptsächlich liest, bekommt genau das. Wer Farbe für Comics und Graphic Novels braucht, sollte sich bei den Farbmodellen von PocketBook oder anderen Herstellern umsehen. Wer vor allem schreiben, annotieren und skizzieren möchte, sucht wahrscheinlich eher nach einem digitalen Notizbuch als nach einem E-Reader.
Meine Bücher aus Papier ersetzt das InkPad One nicht. Es sorgt aber dafür, dass ich unterwegs mehr Auswahl dabeihabe, ohne sie tragen zu müssen.




