Die Säulen der Erde gibt es inzwischen in vielen Formen: Roman, Serie, Hörbuch. Die Graphic Novel wirkt dagegen fast wie ein Experiment. Funktioniert ein so umfangreicher Stoff überhaupt als Comic?
Gerade weil die Geschichte so präsent ist, wird diese Version interessant. Die Welt von Kingsbridge wird hier neu erzählt – reduziert, visuell und an manchen Stellen überraschend dicht.
Gemeinsam mit den belgischen Künstlern Didier Alcante (Text) und Steven Dupré (Zeichnungen) bringt Ken Follett seine Geschichte noch einmal auf die Bühne. Bildgewaltig, konzentriert und mit einem eigenen Rhythmus. Wer den Roman kennt, wird vieles wiedererkennen – und manches neu sehen.
England, 1123 – raue Zeiten, große Träume
Die Graphic Novel erzählt den Anfang der bekannten Saga: England im 12. Jahrhundert. Der Adel streitet um die Krone, die Kirche um Macht, und das einfache Volk kämpft ums Überleben. Mitten in dieser Welt lebt Tom Builder, ein wandernder Baumeister mit einem großen Traum: eine Kathedrale zu errichten, wie es sie noch nicht gibt.
Doch Träume haben es schwer in einer Zeit, die von Kälte, Hunger und Gewalt geprägt ist. Als Toms Frau in einer eisigen Nacht stirbt, nimmt sie ihm ein Versprechen ab: Er soll seinen Traum verwirklichen und eine Kirche zu ihrem Gedenken bauen. Dieses Versprechen wird zum Kern der Geschichte.
Mehr als ein Comic
Die Graphic Novel ist kein schneller Durchlauf, sondern ein visuelles Erzählen mit Gewicht. Die Zeichnungen sind detailreich, ohne sich zu verlieren. Sie schaffen Atmosphäre, statt sie zu behaupten. Das Leben im Mittelalter wirkt hart, oft düster, aber nie leer.
Die Erzählung bleibt nah am Original, wirkt dabei aber verdichtet. Die Seiten lesen sich ruhig, fast fließend. Besonders stark sind die Figuren. Sie tragen die Geschichte, nicht nur die Handlung.

Für Leser des Romans – und für Neugierige
Man muss den Roman nicht kennen. Die Graphic Novel steht für sich. Wer ihn kennt, bekommt eine andere Perspektive auf vertraute Szenen. Wer neu einsteigt, findet einen klaren Zugang.
Fazit
Ich war am Anfang skeptisch, ob das überhaupt funktionieren kann. Der Stoff ist groß, fast zu groß für dieses Format. Aber genau darin liegt der Reiz. Die Graphic Novel nimmt sich Raum, wo es nötig ist, und lässt anderes weg, ohne dass es leer wirkt.
Das ersetzt den Roman nicht. Muss es auch nicht. Es ist eher eine andere Art, diese Geschichte zu sehen. Konzentrierter, direkter, stellenweise sogar näher dran.
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat das keinen Einfluss!

