Seit einigen Wochen nutze ich das PocketBook InkPad One regelmäßig. Bücher, längere Artikel, PDFs und gelegentlich auch Webseiten lesen sich darauf angenehmer, als ich erwartet hatte. Das liegt vor allem an der Größe. Das 10,3-Zoll-Display bietet genug Platz, damit Dokumente nicht sofort verkleinert oder verschoben werden müssen.
Damit ist eine Frage für mich erst einmal geklärt: Ich möchte keinen kleineren Reader.
Ein kleiner Farbreader würde zwar Farbe bringen, aber wieder Fläche wegnehmen. Für Romane wäre das egal. Für Graphic Novels, Karten, Reiseführer und PDFs eher nicht.
Wo Schwarzweiß an Grenzen kommt
Bei Romanen vermisse ich keine Farbe. Text bleibt Text. Gute Typografie, ausreichend Platz, angenehmes Licht. Mehr brauche ich dort nicht.
Anders sieht es bei Graphic Novels aus. Die Ausgabe von Herr der Fliegen lässt sich auf dem InkPad One problemlos lesen. Die Zeichnungen bleiben klar, die Seite wirkt nicht zerlegt. Direkt neben der gedruckten Ausgabe sieht man trotzdem, was fehlt. Nicht die Handlung, aber Atmosphäre, Licht, Flächen, Kleidung, Vegetation, Wasser.
Ähnlich ist es bei Karten und Reiseführern. In Graustufen funktioniert vieles noch. Es braucht nur mehr Aufmerksamkeit. Farbliche Markierungen, Wege, Linien und Flächen springen nicht so schnell ins Auge.
Genau dort beginnt Farb-E-Ink für mich interessant zu werden.

Unterwegs zählt Übersicht
Ich sehe mich wieder häufiger in Zügen, Flugzeugen und Hotels. Da möchte ich nicht alles auf dem Smartphone lesen und auch nicht für jede Kleinigkeit das Notebook öffnen.
Ein Gerät für Buch, Graphic Novel, Reiseführer, Karte, PDF und Notiz klingt auf Reisen ziemlich vernünftig. Nicht als Ersatz für alles. Eher als ruhige Fläche, die man aus der Tasche zieht und sofort weiterliest.
Dafür muss ein Gerät aber schnell genug sein. Wenn jede Eingabe verzögert wirkt, wenn Menüs hängen oder Markierungen erst Sekunden später erscheinen, ist der Gedanke sofort kaputt. Gerade bei Annotationen und Karten zählt nicht nur Displaytechnik, sondern auch Reaktion.
Farbe, Stift, Geschwindigkeit
Das InkPad One kann Notizen aufnehmen. Für kleine Dinge reicht das. Für ein Gerät, das ich bewusst zum Markieren, Scribbeln und Annotieren nutzen würde, stelle ich mir aber mehr vor.
Eine Stelle in einem PDF markieren. Eine kurze Randnotiz setzen. Eine Karte mit einem Hinweis versehen. In einem Reiseführer etwas anstreichen. Nicht stundenlang handschriftlich arbeiten, aber nah genug am Text bleiben, ohne ständig auf ein anderes Gerät wechseln zu müssen.
Deshalb sind für mich gerade vor allem große Farbgeräte interessant. 10 Zoll oder mehr. Kleine 7-Zoll-Geräte fallen für diesen Zweck fast automatisch raus.
Das BOOX Note Air5 C wirkt derzeit am plausibelsten, weil es 10,3 Zoll, Farbe, Stift, Android und genug Tempo für Dokumente und Annotationen verbinden könnte.
Das reMarkable Paper Pro interessiert mich aus einer anderen Richtung. Mehr Schreiben, weniger offene Tablet-Logik, wahrscheinlich ruhiger im System. Für Graphic Novels und flexible Apps sehe ich eher BOOX vorne, für konzentrierte Dokumentarbeit könnte reMarkable stärker sein.
Das XPPen Magic Note Pad ist kein E-Ink-Gerät. Trotzdem bleibt es im Blick, weil Geschwindigkeit, Farbe und Stift dort vermutlich weniger Kompromisse bedeuten. Die offene Frage wäre dann nicht Farbe, sondern ob mir das E-Ink-Gefühl am Ende wichtiger ist als flüssigeres Arbeiten.
PocketBook bleibt für mich trotzdem naheliegend, weil das InkPad One im Alltag vieles richtig macht. Beim Color Note wäre für mich aber entscheidend, ob es schnell genug reagiert. Ein großes Farbdisplay allein reicht nicht, wenn sich das Gerät zäh anfühlt.
Das InkPad One hat für mich vor allem eines geklärt: Die Größe passt. Offen ist nur noch, ob Farbe, Stift und Geschwindigkeit den Wechsel auf ein anderes Gerät rechtfertigen.

