Vielleicht bin ich beim Football Manager 26 ein wenig voreingenommen. Ich komme noch von älteren Ausgaben des Football Manager, vor allem 2019 und 2020. Und natürlich von Anstoss, der Fußball-Manager-Reihe von EA, später We Are Football und noch viel früher Kicker auf dem Atari.
Fußballmanager haben mir eigentlich immer Spaß gemacht. Einen Verein übernehmen, den Kader verändern, Tabellen und Statistiken anschauen und versuchen, daraus das Beste zu machen. Spieler kaufen, verkaufen oder ausbilden, Taktiken ausprobieren und irgendwann feststellen, dass das Ganze tatsächlich funktioniert. Wahrscheinlich spielt auch eine Rolle, dass ich selbst einige Jahre als Kind und Jugendlicher im Verein Fußball gespielt habe.
Und natürlich freut man sich auch nach vielen Jahren Fußballmanager immer noch, wenn die eigene Mannschaft plötzlich aufsteigt oder am Ende doch irgendwo ganz oben steht.

Nach ein paar ausgelassenen Ausgaben landete ich also beim Football Manager 26.
Der Einstieg war allerdings nicht besonders gelungen. Das neue UI war für mich zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig, teilweise unübersichtlich und ehrlich gesagt auch nicht besonders schön. Dazu fehlten Dinge, die ich aus den älteren Ausgaben kannte, während andere Bereiche komplett verändert worden waren. Manche Änderungen konnte ich nachvollziehen, bei anderen fragte ich mich schon, warum etwas verändert wurde, das vorher eigentlich ganz gut funktioniert hatte.
Hinzu kamen gerade am Anfang diverse Bugs und Ungereimtheiten.
Mit den Updates wurde FM26 aber nach und nach besser. Einige Funktionen kamen zurück, andere wurden überarbeitet und offenbar hat Sports Interactive durchaus darauf gehört, was die Spieler wollten. Das finde ich schon positiv, auch wenn manches vielleicht gar nicht erst hätte verschwinden müssen.
Irgendwann war ich dann aber doch wieder drin.
Aus ein paar Spielen wurden mehrere Saisons und irgendwann saß ich wieder da, verglich Spielerwerte, plante Transfers und überlegte, ob ich für die nächste Saison nicht doch noch einen neuen Innenverteidiger brauche.

Besonders gerne spiele ich mit dem deutschen Ligensystem aus dem Steam Workshop. Ich finde es wesentlich interessanter, irgendwo mit einem kleinen Oberligisten anzufangen und sich langsam nach oben zu arbeiten, als gleich bei Bayern München oder einem anderen großen Verein einzusteigen.
Man kennt am Anfang kaum einen Spieler, das Budget ist überschaubar und gute Transfers sind nicht unbedingt die Spieler mit den höchsten Werten. Gerade das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Ich setze mir dabei auch gerne eigene Regeln. Eine Zeit lang habe ich zum Beispiel nur Spieler zwischen 17 und 25 Jahren verpflichtet. Junge Spieler holen, entwickeln und irgendwann möglichst teuer wieder verkaufen. Manchmal funktioniert das sehr gut und manchmal entwickelt sich der vermeintliche zukünftige Star überhaupt nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte.
Auch Hertha BSC musste einmal dran glauben. Den Verein komplett neu aufgebaut und versucht, mit den 300 Millionen Euro des Investors etwas Sinnvolles anzufangen. Das ging überraschend gut. Schon recht schnell gehörte Hertha regelmäßig zu den ersten vier Vereinen der Bundesliga.
Realistisch? Vielleicht nicht immer. Spaß gemacht hat es trotzdem.
Und genau darum geht es mir beim Football Manager eigentlich. Ich kann lange in Tabellen und Spielerwerten verschwinden, Taktiken ändern, Aufstellungen ausprobieren oder mich darüber ärgern, dass der Stürmer, der letzte Saison noch 25 Tore geschossen hat, plötzlich überhaupt nichts mehr trifft.
Mit der Zeit wachsen einem manche Spieler sogar ein wenig ans Herz. Besonders diejenigen, die man als junge Spieler verpflichtet hat und die über mehrere Jahre mit dem Verein aufsteigen. Manche nimmt man später sogar zum nächsten Verein mit.
Interessant sind auch die sogenannten Journeys. Man beginnt ohne großen Namen und häufig bei einem kleinen Verein und schaut einfach, wohin sich die Karriere entwickelt. Vielleicht bleibt man jahrelang in den unteren Ligen, vielleicht bekommt man irgendwann ein Angebot, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat.

Football Manager 26 hat mir den Einstieg nicht leicht gemacht. Das UI gefällt mir weiterhin nicht besonders und bei einigen Änderungen bin ich nach wie vor nicht überzeugt.
Aber inzwischen habe ich etliche Stunden und mehrere Saisons darin verbracht. Ich habe Vereine aufgebaut, Spieler entwickelt, bin aufgestiegen und habe mich wieder über Tabellen und Statistiken gebeugt.
Also eigentlich genau das gemacht, was ich schon bei den alten Fußballmanagern gerne gemacht habe.
Nun bin ich gespannt, was Sports Interactive daraus für Football Manager 27 mitnimmt.
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird dadurch selbstverständlich nicht beeinflusst!



