Karl der Große Signum

Thomas R.P. Mielke »Karl der Große – Der Roman seines Lebens«

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Auf dem Höhepunkt seiner Macht wird er im Petersdom vom Papst zum Kaiser gekrönt: Karl der Große (742–814), König der Franken und erster römisch-deutscher Kaiser. Er konnte nicht schreiben, aber versammelte die besten Gelehrten an seinem Hof. Er war rastlos in seinem riesigen Reich unterwegs und schlug als grausamer, gefürchteter Kriegsherr Sachsen und Sarazenen. Er liebte seine Ehe- und Nebenfrauen ebenso wie seine zahlreichen Söhne und Töchter. Welche Kraft, welcher Wille eines Kerls – denn das bedeutet der Name Karl, – der die politische Landkarte Europas und die abendländische Kultur wesentlich geprägt hat.

Das pralle Leben Karls in seiner politisch-geschichtlichen Größe, aber auch in seinen menschlichen Schwächen mag daher manchem Leser durch die packende Schilderung deutlich werden

Aachener Volkszeitung

IBU DU MI ENAN SAGES, IK ME DE ODRE WET.

»Wenn du nur einen sagst, ich mir die anderen weiß«, heißt es in einem berühmten Vers des Hildebrandsliedes – dem einzigen Fragment, das noch aus Karls germanischem Liederbuch stammt und nicht wie andere Dokumente gleich nach Karls Tod Opfer der ersten groß angelegten Büchervernichtung in der Geschichte Europas wurde.

Neben lateinisch abgefassten Werken hatten die mündliche Überlieferung sowie nicht schriftlich gesicherte Verlautbarungen zu Karls Zeit einen wesentlich glaubhafteren Informationswert als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Seltsamerweise entdeckt gerade die heute heranwachsende Generation, wie Namen von einzelnen Menschen oder bestimmte Reizworte ganze Wolken von Zusammenhängen wecken.

Karl und seine Gefährten waren keineswegs eine staatstragende Elite mit klarem Ziel und heldischem Auftrag. Aber sie bildeten eine interaktive Gruppe aufeinander eingeschworener »Edelinge«. Sie zelebrierten Klassizismus als Spiel und pflegten ihre Männergemeinschaft unweit von Camelot, der Götterdämmerung und anderen großen Familiensagas der menschlichen Geschichte.

Ist das wirklich der Mann, der uns in der Penne zum Gähnen gebracht hat? Langweilig? Von wegen! Thomas R. P. Mielkes Roman … hat den mittelalterlichen Herrscher so sorgsam entstaubt, dass da plötzlich ein faszinierender Mesnsch erscheint: kriegerisch und friedliebend, rastlos, zerrissen, zürnend und zärtlich. Von seinem Inzest erfahren wir, von Ehefrauen, Geliebten, Kindern. Ein königliches Lesefutter …

Journal für die Frau

Vieles von Karl und seinen Kampfgefährten, seinen Ehefrauen, Geliebten und Kindern wurde bereits zu ihren Lebzeiten aus unterschiedlichsten Blickwinkeln weitererzählt. Schreibweisen von Namen und Orten, die Jahreszahlen und das Würdigen oder Verschweigen bestimmter Ereignisse verbergen sich auch heute noch in einem fast mystisch-liebenswerten Unschärfenebel.

Karl der Große Buchcover von Marcus O. Mielke
Der Erstentwurf des Covers von Marcus O. Mielke

Auch die Chronisten im audiovisuellen Zeitalter neigen dazu, den Wert der Dinge nach Beweisbarkeiten in der Denkweise der sogenannten Aufklärung zu bestimmen.

Was aber, wenn bereits die Reichsannalen des Klosters Lorsch geschönte Hofberichterstattung sind und Eginhard/Einhard als einziger Zeitzeuge Karls in seiner »Vita Caroli Magni« mehrfach Frauen und Kinder, Jahreszahlen und Zusammenhänge verwechselt?

Wenn zudem im »Roman seines Lebens« von Paderborn, Regensburg oder Venedig gesprochen wird, ist das zwar eine Hilfe für den Leser, aber streng genommen geschichtlich unwahr, da es diese Namen damals noch nicht gab.

Aus Karls Regierungszeit sind heute 261 Urkunden bekannt. 41 davon sind mit Schreibfehlern gespickte Originale, 122 noch fehlerhaftere Kopien und 98 nachgewiesene Fälschungen. Karls Leben ist 1.200 Jahre lang umgeschrieben und nach den unterschiedlichsten Absichten gedeutet worden. Weltweit gibt es Tausende von Arbeiten über Karl den Großen, Charles the Great oder Charlemagne – aber nicht einmal eine Handvoll Romane (was nichts anderes als »verständliche Sprache« bedeutet) über das Leben dieses Mannes, das im Wortsinne bewegter war als irgendein anderes.

1.200 Jahre nach seinem Tod sollte Karl deshalb das Recht erhalten, auch einmal Mensch zu sein – ein ganz normaler Mensch.

Thomas R. P. Mielke
Berlin im Jahr vor 2014

Exakte Recherche, eine lebendige Sprache, geschickte Dramaturgie und phantasievolle Ausgestaltung, das ist eine Mischung, mit der ein kreativer, bewährter Werbemann auch ein ‘erhabenes Monument der europäischen Geschichte’ gut verkaufen kann

Bayerisches Kulturmosaik

Leseprobe: Draußen waren die Feuer bis auf die Glut vor drei vermummten Wachtposten längst im geschmolzenen Schnee erloschen. Ein paar der Frankenkrieger in ihren Zelten schnarchten, furzten innig oder knirschten noch eine Weile mit den Zähnen. Dann legte sich die Stille der sternklaren Winternacht über das Lager und schloss das Buch jenes Tages, der auch in mehr als tausend Jahren unvergessen sein sollte …

Der lange Weg durch die verschneiten Wälder und über die eisigen Berge Burgunds bis zur Königspfalz von Ponthion in der Champagne dauerte zwölf Tage. Zweimal lagen Getötete am Wegesrand, einmal ein nackter Gefrorener, dessen Mund noch immer wie ein vornehmer jüdischer Mercatore lächelte, ein andermal konnte niemand mehr die Gesichter des Paares in blutigen Lumpen erkennen, das wohl vergeblich versucht hatte, sein kleines Kind zwischen sich vor räuberischen Nachtvögeln oder Bären zu schützen.

Erst in den letzten Tagen, nachdem sie die vereiste Marne überquert hatten, kamen der Papst, sein Gefolge und die Abordnung des Frankenkönigs fast ohne Zwischenfälle voran. Nur einmal hatte kurz vor Sonnenaufgang ein Haufen halb verhungerter Pilger versucht, ein paar Vorräte zu stehlen. In einer anderen Nacht, dicht vor Chalons an der Marne, waren hungernde Wölfe im Mondlicht aufgetaucht. Feurige Fackeln hatten schnell beide Ereignisse beendet.

Karl der Große Cover Emons-Verlag
Das Karl der Große Cover vom Emons-Verlag

Dieses Buch ist ein Roman. Die Handlung ist frei erfunden, wenngleich in das historische Umfeld eingebettet. Einige Personen, Orte, Ereignisse, Zeitangaben und Schreibweisen sind historisch belegt, einige sind es nicht oder in heutiger Lesart verwendet. Letzteres gilt besonders für das noch nicht abschließend geklärte Geburtsjahr Karls des Großen.

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