Zwischen digitalem Dauerrauschen, Erinnerungen und der Frage, was am Ende wirklich wichtig bleibt.
Dieses einfache lateinische Sprichwort hat für mich in den letzten Jahren eine deutlich persönlichere Bedeutung bekommen.
Nach mehreren Todesfällen in der Familie habe ich viel über Vergangenheit, Zeit und den eigenen Blick auf das Leben nachgedacht. Dabei fiel mir auf, wie oft man sich mit Dingen beschäftigt, die am Ende eigentlich keine wirkliche Bedeutung haben.
Man hortet Dinge, die man nicht braucht. Man verliert Zeit mit Kleinigkeiten. Man macht sich Gedanken über Themen, die rückblickend kaum Gewicht besitzen.
Diese Erkenntnis hatte ich schon früher immer wieder. In den letzten Jahren ist sie allerdings stärker geworden. Nicht radikal oder plötzlich, eher schleichend. Manche Sichtweisen verändern sich. Man gewinnt Abstand und schaut anders auf bestimmte Dinge.
Vielleicht gilt das auch für die digitale Welt.
Seit Mitte der neunziger Jahre bewege ich mich im Internet. Vieles daran finde ich bis heute spannend. Aber manches wirkt inzwischen auch erstaunlich gleichförmig. Lauter, schneller, oberflächlicher.
Das ist kein „Früher war alles besser“. Dafür verändert sich die Welt viel zu sehr und ehrlich gesagt gab es auch früher genügend Unsinn im Netz.
Trotzdem ertappe ich mich inzwischen häufiger dabei, eher am Rand der digitalen Straßen zu stehen und zu beobachten, was dort eigentlich permanent vorbeirauscht.
Vielleicht verändert sich mit den Jahren einfach der Blick.
Natürlich bin ich selbst Teil davon. Auch BURGTURM existiert innerhalb dieser digitalen Welt. Wenn auch nur als kleiner Ort irgendwo zwischen all den Plattformen, Feeds und Algorithmen.
Aber genau deshalb möchte ich die Dinge weiterhin so machen, wie sie sich für mich richtig anfühlen.
Nicht wegen Likes, Reichweite oder irgendwelcher Zahlen. Sondern für die Menschen, die tatsächlich Freude an meinen Texten haben. Für Leser, Kooperationspartner und am Ende natürlich auch für mich selbst.
Darum geht es wahrscheinlich letztlich.
Carpe diem.
Aber eben auch: memento vivere.
Und bevor mich jemand auf die lateinische Grammatik festnagelt:
Latein hatte ich nie in der Schule. Mein Wissen stammt vermutlich hauptsächlich aus Asterix und Obelix.




