Thomas R. P. Mielke Thomas R. P. Mielke

Thomas R. P. Mielke

In diesen Stunden und Momenten gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Es ist viel Traurigkeit dabei. Aber auch ein wenig Erleichterung. Denn du hast es geschafft! Die letzten Tage waren sicher nicht leicht f├╝r dich. Aber wir waren bei dir!

Letzten Freitag habe ich mich von dir verabschiedet. Etwas mehr als vier Stunden waren wir beide allein. Nur Du und ich – Vater und Sohn. Eine sehr intensive Zeit. Ich habe mit Dir geredet, Dich in den Arm genommen und Du hast kurz hochgeschaut und mir mit einem klaren Blick zugenickt.

So werde ich dich in Erinnerung behalten! Wir trennten uns als Vater und Sohn, als Kumpel, als langj├Ąhrige Freunde, die sich in den letzten Jahren immer mehr respektierten und auch stolz aufeinander waren. Mit viel unausgesprochener, aber gef├╝hlter Liebe! Danke f├╝r alles, was du f├╝r uns getan hast! Du warst der beste Vater, den man sich vorstellen kann! Es war nicht immer einfach und wir hatten oft unseren eigenen Dickkopf, den wir beide durchsetzen wollten. Aber du warst immer da, wenn ich dich brauchte. Ich hoffe, ich war auch am Freitag ein letztes Mal f├╝r dich da? Und ich wei├č, du hast es gesp├╝rt!

„Wohin auch immer du gehst, dort bist du!“
Buckaroo Banzai

Dieses Zitat verbindet uns seit den 1980er Jahren. Nicht ernst gemeint, eher scherzhaft als Running Gag zwischen uns beiden. Du hast es zelebriert, ich habe es zelebriert. Und am Ende Deines Weges m├Âchte ich es Dir widmen. Es passte so gut zu deinem damaligen Leben, zu unseren Reisen, zu den Orten, an denen wir lebten. Es passt zu deinen Romanen, zu den Wegen, die du eingeschlagen hast und die dich hier und da in die Irre gef├╝hrt haben. Aber du hast immer den richtigen Weg eingeschlagen und bist manchmal zur├╝ckgegangen, um die Dinge zu korrigieren. Aber Du hast Dich nie von Deinem eigenen, manchmal etwas unkonventionellen Weg abbringen lassen. Und welchen Pfad du jetzt gehst, das wissen wir nicht. Aber es ist Dein Weg!

In Liebe und Dankbarkeit. Dein Sohn Marcus

Thomas R. P. Mielke war drei Jahrzehnte lang hauptberuflich als Texter, Konzeptioner und Creative Director in internationalen Werbeagenturen t├Ątig. Er war mitverantwortlich f├╝r Slogans wie „Berlin tut gut“ oder „Mach’s mit“ der ersten Anti-Aids-Kampagne und gilt als Miterfinder des Kinder-├ťberraschungseises aus seiner Zeit in der Ferrero-Generaldirektion in Pino Torinese/Italien.

Als Ausgleich zu seinem Job als Werbemanager schrieb Thomas R. P. Mielke nebenbei Krimis, Science Fiction und historische Romane. Sein erster SF-Roman, Unternehmen D├Ąmmerung, erschien 1961 unter dem Pseudonym Mike Parnell. Es folgten mehrere Dutzend weitere unter den Pseudonymen Michael C. Chester, Bert Floorman, Henry Ghost, Roy Marcus, Marc McMan, Marcus T. Orban, John Taylor und anderen.

In der TV-Dokumentation „Kontrollierte Demokratie?“ erz├Ąhlt Thomas R. P. Mielke von seiner Zeit bei der Bundeswehr, die zun├Ąchst mit einer Ausbildung zum Fluglotsen in Hannover begann. Nachdem er sich um eine Nebent├Ątigkeit als Schriftsteller beworben hatte, wurde er zur Truppe f├╝r Psychologische Kampff├╝hrung (Truppe f├╝r Operative Kommunikation) versetzt.

Zusammen mit Rolf W. Liersch entwickelte Thomas R. P. Mielke Mitte der 1970er Jahre das Konzept f├╝r die alternative Science-Fiction-Serie ┬╗Die Terranauten┬ź.

F├╝r ┬╗Das Sakriversum┬ź erhielt er 1984 den Kurd-La├čwitz-Preis f├╝r den besten deutschen Science-Fiction-Roman des Jahres 1983. 1986 erhielt er den Literaturpreis des Science Fiction Club Deutschland e.V. (seit 1998 Deutscher Science Fiction Preis) f├╝r seine politische Vision ┬╗Der Tag an dem die Mauer brach┬ź ├╝ber den unerwartet friedlichen Fall der Mauer und die Wiedervereinigung. Der Stern schrieb dem Autor: ÔÇ×Die Berliner Mauer ist kein Thema – und wird es auch in den n├Ąchsten 25 Jahren nicht seinÔÇť. 2010 erschien in Syrien und anderen arabischen L├Ąndern sein Roman ┬╗Gilgamesch, K├Ânig von Uruk┬ź, der von Dr. Nabil Haffar, Preistr├Ąger des Goethe-Instituts, ins Arabische ├╝bersetzt wurde und damit zu seinen Urspr├╝ngen zur├╝ckkehrte.

Nach einer Legende, die er selbst seit Anfang der 1970er Jahre verbreitete und bis zu seinem Lebensende gern benutzte, stehen die Initialen seines zweiten und dritten Vornamens R. P. f├╝r „Reine Phantasie“. Sie wurden zu einer Art Markenzeichen f├╝r seine Leser.

Thomas R. P. Mielke starb am 31.08.2020