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Kingdom Come Deliverance

Kingdom Come Deliverance – auf der PlayStation 4 Pro – Ersteindruck

Ja, dieses Kingdom Come Deliverance Spiel, welches am 13.02.2018 für PC, XBOX und PlayStation 4 erschien, ist schon recht schön und stimmungsvoll. Und ja, es zieht mich trotz einiger ärgerlicher Macken und Bugs in seinen Bann.

Ganz klar … man muss sich auf Kingdom Come Deliverance (KCD) einlassen. Teils seine Spielgewohnheit umstellen und vielleicht ist es auch nichts für den Mainstream-Gamer?

Ein realistisches First-Person RPG, das dich ins mittelalterliche Europa entführt.

Das mit dem Realismus ist – meiner Meinung nach – vielleicht etwas hoch gegriffen. Aber es gibt eine ordentliche Portion historischen Background und es gibt eben einen frischen und anderen Ansatz. Primär ist dies ein Setting ohne Drachen, Magie, Orks und Protagonisten die alles können. Das ist schön!

Worum geht es denn genau bei Kingdom Come Deliverance?

Böhmen – Im Herzen Europas gelegen, ist das Gebiet reich an Kultur, Silber und imposanten Burgen. Der Tod seines geliebten Herrschers Karl des IV, stürzte das Königreich in dunkle Zeiten: Krieg, Korruption und Zwietracht zerklüften dieses Juwel des Heiligen Römischen Reiches.

Wenzel, einer von Karls Söhnen, wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Im Gegensatz zu seinem Vater ist er ein naiver, maßloser und wenig ambitiöser Monarch. Sigismund der Rote Fuchs – Wenzels Halbbruder und König von Ungarn – wittert dessen Schwäche. Gute Absichten vortäuschend reist Sigismund nach Böhmen und entführt seinen Halbbruder. Ohne König ist Böhmen Sigismund ausgeliefert, der das Reich auf seinen Raubzügen plündert und sich dessen Schätzen bemächtigt.

Inmitten dieses Chaos verkörpert ihr Heinrich, den Sohn eines Schmieds. Euer friedliches Leben nimmt ein jähes Ende als eine Horde Söldner – angeheuert von König Sigismund selbst – euer Dorf niederbrennt. Durch glückliche Umstände seid ihr einer der wenigen Überlebenden dieses Massakers.

Eures Zuhauses, eurer Familie und eurer Zukunft beraubt, endet ihr im Dienste von Herrn Radzig Kobyla, der einen Widerstand gegen die Invasoren formiert. Vom Schicksal in diesen blutigen Bürgerkrieg hineingezogen, kämpft ihr um die Zukunft Böhmens.

Kingdom Come Deliverance

In Kingdom Come Deliverance gibt es auch einige Elemente, die mich manchmal an das gute alte Robinson’s Requiem erinnern.

Man bzw. Heinrich (den spielen wir) muss essen, schlafen und auf das äußere Erscheinungsbild sollte auch öfter geachtet werden. Heinrich wird während seiner Exkursionen und Abenteuer nämlich dreckig. Daher wird das eine oder andere Mal eine Katzenwäsche in einem Wassertrog oder – wenn Heinrich es gründlicher und angenehmer mag – der Besuch des Badehauses angebracht sein.

Die Rüstung, die Kleidung und die Waffen nutzen sich mit der Zeit ab. Somit hat man, wenn man nicht darauf achtet, im Kampf kaum Rüstwerte und die Waffe ist auch nicht mehr sonderlich effektiv beim Gegner. Daher Schwert schleifen, Kleidung beim Schneider reparieren lassen, mit Reparatur-Sets und Geschick selbst Hand anlegen. Oder sich gleich komplett ausstaffieren ,wenn man das nötige Kleingeld in Form von „Groschen“ (der Währung in KCD) hat. Denn es gibt reichlich an Kleidung, Rüstung und Waffen in diesem virtuellen Böhmen zu ergattern.

Die Gegner sind anfangs nicht ohne. Eine Schnetzelei im Stil von Assassin’s Creed gegen viele Gegner ist so gut wie unmöglich. Das Kampfsystem fordert Taktik und Überlegung. Wobei die Gegner, meines Erachtens nach,  recht unfair gestaltet sind. Zum Beispiel: Wenn ich weg renne und dabei Energie und Ausdauer verliere, sind die Gegner immer topfit und rennen mir munter hinterher.

Ab und an ergibt sich daraus auch einfach wieder das übliche Button-Geklicke auf dem Controller, weil man dann auch nicht immer weiß, wer gerade von welcher Seite auf einen einschlägt. Bei größeren Schlachten sind auch die verbündeten Soldaten manchmal recht dämlich und stehen oft nur in der Gegend herum, statt den Gegner anzugreifen.

Das ist auch einer der zahlreichen Fehler in KCD, die mir auffallen und die mich dann nerven. Schlimmer noch: Wenn man gerade einen Gegner vor den Augen seiner Gefährten, also anderen Gegnern, hinterrücks meuchelt und diese einfach stur ihr Ding machen. Zur Krönung wird dann noch gefragt:“Ist da wer?“

Viele Glitches, Bugs und hässliche Pop-Ups beim Landschaftsaufbau sind noch da.

Manchmal ist es auch unmöglich eine Treppe hinaufzukommen. Dann bleibt man andernorts wieder mal in einem Busch hängen und es geht nicht mehr weiter. Türen öffnen sich und sind dann plötzlich nach dem Durchgehen verschlossen. Man kann sie erst durch Schlösser knacken wieder öffnen. Doof wenn man keine Dietriche hat.

Kingdom Come Deliverance

Man soll beim Müller Taschendiebstahl lernen, wenig später rennt er los und alarmiert die Wachen, weil man ihn beklaut hat.

Obwohl es keine Magie gibt, gibt es sehr wohl einiges an Schwebezauber. Da fliegen gerne mal Steine, Kühe, Pferde, Bäume etc. durch die Luft.

Kingdom Come Deliverance

Das sind dann – neben den anderen Bugs – die doofen Dinge, die die Stimmung in KCD vermiesen und die Frusttoleranz arg herausfordern.

Diese Art von Bugs und Logikfehlern machen den Ansatz von Authentizität und Realismus, den sich Kingdom Come Deliverance breit auf die Fahne schreibt, oft auch durch solche Dinge zur lustigen teils nervigen und manchmal arg frustrierenden Comedy.

Kingdom Come Deliverance

Trotzdem ist es ein schönes Spiel. Optisch selbstverständlich nicht ganz auf der Höhe, wie beispielsweise die großartige Landschaft und Atmosphäre eines Assassins Creed Origins. Aber der Vergleich wäre auch gemein, da dort bei Ubisoft viel mehr Manpower, Geld und vermutlich auch etwas mehr Know-How in Sachen Spieldesign steckt.

Dennoch: Man sieht am Beispiel von Assassin’s Creed Origins was auf einer PS4 / PS4pro machbar ist und das ist nun mal verdammt gut.

Kingdom Come Deliverance

Böhmen ist hübsch in Kingdom Come Deliverance. Die Landschaft lädt das eine oder andere Mal zum Verweilen ein.

Die Soundkulisse ist gelungen. Die Wälder sind dicht bewachsen und in der Nacht dunkel wie in Ursus Anus.

Etwas roboterhaft hüpfen Hasen, Hirsche und Rehe durchs Unterholz und ab und an kreuzt ein Wildschwein den Weg. Wo sind eigentlich die Wölfe und Bären geblieben?

Lobenswert ist hier die Variation der Vegetation und der Baumarten. Birkenwälder sind anders als Buchenwälder. Und so weit ich das beurteilen auch sinnvoll umgesetzt. Das wurde wirklich schön gemacht.

Sehr hübsch und stimmungsvoll sind auch die Zeichnungen im Intro und während der Ladezeiten. Das Inventar ist stilvoll und die Karte ist sogar ein kleines Meisterwerk.

Kingdom Come Deliverance

Die Stimmung bei der ersten Rückkehr nach Skalitz ist sehr beeindruckend und beklemmend. Das wurde gut umgesetzt.

Die Zwischensequenzen sind durchweg gelungen und stimmungsvoll umgesetzt.

Kingdom Come Deliverance

Die Story ist bisher recht gut. Heinrich ist aber meiner Meinung nach als Hauptdarsteller eher der flachste Charakter. Es gibt interessantere Nebenrollen. Ansonsten werden die Pseudo-Mittelalter-Klischees ordentlich bedient, fressen, saufen, kämpfen und das eine oder andere Mädel flach legen.

Die Questen sind recht abwechslungsreich. Natürlich auch manchmal langweilig „Tue dies, mache das, geh hier hin, hole dies, bringe es dorthin.“ Manchmal eben klassische RPG-Games-Einheitskost.

Kingdom Come Deliverance

Nach kurzer Zeit ist man vom Nobody, dem einfachen Bauerntölpel bzw. Sohn eine Schmieds zum allseits geschätzten „Ritter“ geworden, der in den Städten freundlich, teils euphorisch, mit Namen gegrüßt wird. Finde ich etwas übertrieben und sicher ist das auch nicht – wie behauptet – realitätsnah. Denn Ritter werden war ein schwerer Weg, meist dem Adel vorbehalten und so wie in KCD ist das sicher nicht gelaufen.

Kingdom Come Deliverance

Kingdom Come Deliverance ist nett. Es ist manchmal auch wirklich schön. Und ich glaube, es könnte noch richtig gut werden, wenn diese hässlichen Bugs und Grafikmacken nicht wären.

Denn, dieses leider noch mit vielen unschönen Bugs und diversen merkwürdigen Dingen versehene Spiel, macht dann auch manchmal einfach keinen Spaß mehr.

Es ist zur Zeit eine Art Hassliebe.

Gerade dann, wenn man bereits über eine Stunde eine Quest abarbeitet und dann durch einen doofen Bug alles nochmal machen muss und zwar von dem Punkt an, an dem man zum letzten mal die knappe Ressource „Spiel speichern“ bemühte! Denn einfach mal Speichern ist hier nicht so einfach. Man muss schlafen um zu speichern. Das ist manchmal aber auch mit einem Bug gesegnet. Es wird gerne auch mal nach dem Schlaf nicht gespeichert. Oder man trinkt einen Schnaps, der anfangs richtig teuer ist und mangels Groschen nicht einfach so zu erwerben ist. Später kann man sich das zwar selber brauen. Die Speichermechanik in KCD ist weder realistisch, noch authentisch, sie ist nervig.

Kingdom Come Deliverance

Beim Schlösser knacken in Kingdom Come Deliverance muss meiner Meinung nach nachjustiert werden. Das ist klar auch Übungssache und ich habe in der Tat schon viele virtuelle Schlösser in meiner Gamer-Karriere geknackt. Hier ist es echt schwer. Mit dem PS4 Controller habe ich es bisher einfach noch nicht geschafft eine einzige Kiste zu öffnen.

Kingdom Come Deliverance hätte ein Monat mehr an Qualitätssicherung und Bugfixing gut getan. Es ist so schön und stimmungsvoll und dann wieder so ein großer Frust, wenn die Bugs zuschlagen, Quests nicht weitergehen oder Dinge plötzlich fehlen.

Ich möchte mich daher in diesem Artikel noch nicht endgültig festlegen. Da ich das Spiel eigentlich mag. Ich warte auf das nächste Update bzw. den Patch 1.3.

Kingdom Come Deliverance

Erstfazit:

  • Gute Ideen
  • Wo war die QA?
  • Miese Aussteuerung bei der Sprachausgabe
  • Tolle deutsche Synchronisation die allerdings nicht lippensynchron ist und mit den eingeblendeten Texten oft nicht übereinstimmt
  • Schöne Wälder
  • toller Soundtrack
  • stimmige Geräuschkulisse im Wald. Nachts keine hörbaren Vögel wie am Tag, dafür mal ein Kauz
  • Langatmiges und zeitfressendes Schlafen Auf die schöne Uhr starren ist nicht nötig
  • Viel langes Warten beim Schnellreisen
  • Lange Ladezeiten. Besonders auch nervig bei Gesprächen
  • Insgesamt ist KCD schön mit viel Frust & reichlich Bugs

Kingdom Come Deliverance

Ich mag KCD! Man hätte sich allerdings beim Finalisieren dennoch etwas mehr Mühe geben können. Was nützt mir all Liebe zum Detail, die schönen Idee, die teilweise tolle Aufmachung, wenn die Bugs und Logikfehler das eigentlich schöne Spielgefühl zu oft zerstören. Bisher habe ich viel Zeit mit KCD verbracht. Aber auch eine Menge ärgerliche Momente gehabt. Es ist zur Zeit eine Art Hassliebe.

Kingdom Come Deliverance

Ich stelle es bis auf weiteres erst mal zurück und warte auf den nächsten Patch.

Dann gibt es auch eine finale Aussage von mir.

Und dann werde ich auch 2 Exemplare Kingdom Come Deliverance für die PS4 verlosen. Also dran bleiben!

Die hier gezeigten Screenshots wurden von mir auf der PlayStation 4 Pro erstellt. Ein Fotomodus wäre vielleicht auch fein. Dann könnte man das Menü und den Zielpunkt ausblenden.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Koch Media die mir freundlicherweise das Rezensionsexemplar Kingdom Come Deliverance für die PlayStation 4 zur Verfügung stellten. Selbstverständlich ist meine Meinung davon nicht beeinflusst. Wer mich und BURGTURM kennt, weiß das. Ehrensache!

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