Bremerhaven erleben: Einfach mal mehr Meer erleben!

Bremerhaven erleben

Die Sonne scheint uns ins Gesicht. Müde sitzen Thomas und ich in der Bahn Richtung Heimat und haben ein diesig kaltes Wochenende in Bremerhaven hinter uns.

Hei, diesig, kalt, es ist Oktober! Und an der Küste ist das Wetter eben etwas ruppiger.

Müde? Ja! Denn das Wochenende in Bremerhaven war vollgepackt mit Programm und Action. Und was soll ich sagen: Es war es wert!

Wo soll ich anfangen wo aufhören? So viele Eindrücke, so viel Essen und so viel interessantes. Soviel, dass ein Wochenende für Bremerhaven definitiv nicht reicht.

Zugegeben, Bremerhaven sagte mir vorher nichts. Weser, „Fischköppe“ & „Fishtown“ und ein großer Hafen. Mehr wusste ich auch nicht, bevor ich mich auf Recherchetour im Netz begann, um nicht völlig plan- und ahnungslos in Bremerhaven anzukommen.

Bremerhaven erleben

Die große Vorfreude, ob des wirklich tollen Programms und der vorbildlichen Kommunikation mit Erlebnis Bremerhaven Gesellschaft für Touristik, Marketing und Veranstaltungen mbH, die mich und andere Blogger* zu diesem Wochenende einluden, machte Lust auf mehr … Meer … Meer erleben!

Der Freitag begann mit einem Wiedersehen am Bahnhof Bremen mit Nina, mit der ich bereits in Ulm unterwegs war. Gemeinsam ging es mit der Bahn weiter nach Bremerhaven. Wir teilten uns ein Taxi und fuhren zu unseren Hotels am Hafen.

Bremerhaven erleben

Vielleicht war es ein kleines Manko, dass nicht alle Blogger in einem Haus untergebracht wurden? Eine Hälfte schlief im Best Western Plus, die anderen Blogger auf der anderen Seite des Hafenbeckens im Comfort Hotel Bremerhaven.

Ich selbst hätte gern im eigenen Hotel gefrühstückt (Best Western Plus) und nicht morgens rüberflitzen müssen, um im anderen Hotel zu frühstücken, weil man sich dort traf. Dafür waren wir von Samstag zu Sonntag im muckeligen und hübschen Hotel im jaich Boardinghouse untergebracht.

Bremerhaven erleben

Vielleicht nächstes mal Bremerhaven im Atlantic Hotel Sail City? Wobei ich das im jaich Boardinghouse auch wirklich super fand.

Bremerhaven erleben

Freitagnachmittag ging es auf Kontrollfahrt mit der Crew des Seenotrettungsschiff „HERMANN RUDOLF MEYER“. Ich denke, dies war für alle Beteiligten ein Highlight. Hautnah und mittendrin!

Bremerhaven erleben

Wir durften bis auf die Privatbereiche überall hin, fast alles anfassen und fragten die Crew ausgiebig aus.

Es ist schon beeindruckend, wie man auf so engen Raum mit 4 Mann 2 Wochen lang leben kann, ohne die Annehmlichkeiten des Alltages zu vermissen.

Bremerhaven erleben

Die kalte Brise wehte uns auf Deck das Gefühl von Freiheit und Abenteuer ins Gesicht.

Ja, kalt und frisch war es! Aber auch sehr spannend und für mich sehr informativ und beeindruckend, hinter die Kulissen der DGzRS zu schauen.

Bremerhaven erleben

Besten Dank Jungs, Ihr macht einen tollen Job! Zur Stationsseite.

Bremerhaven erleben

Bremerhaven erleben

Etwas durchgefroren und mit leicht klammen Klamotten ging es zum Seefischkochstudio.

Fisch ist nicht so meins! Aber in der Not frisst der Teufel Mac Fliegen Fisch. :-)

Bremerhaven erleben

Denn die Seefahrt hat hungrig gemacht. Und was Sebastian, der Koch des Seefischkochstudions mit uns vorhatte, war sehenswert. Scholle filetieren, Lachs, Krabben etc. Die Basics wie Zwiebelschneiden und Speisen richtig anbraten war für einige neu.

Bremerhaven erleben

Ich fand es interessant zu sehen, wie Sebastian an die Sache ran ging. Jeder hat so seine Wege etwas zuzubereiten und zu würzen und beim Anrichten seinen eigenen Stil.

Bremerhaven erleben

Insgesamt war es ein gelungener Abend. Bei gutem Essen, was wir nicht nur gemeinsam kochten, sondern auch gemeinsam verputzten. Fisch ist immer noch nicht meins. :)

Wer in Bremerhaven eine urige Pinte sucht, sollte sich mal das Krohn`s Eck gönnen. Dies ist jene Art von Kneipe, von denen Opa in seinen Erzählungen von der guten alten Zeit schwärmte. Eine Zeit, als es noch keinen Veganwahn und hipsteriöse Latte-Machiatto-Milchschaumschlürfer gab. Eine pure Kneipe, mit Skat kloppenden Menschen, bierseligen Turteleien am Tresen, leicht pekig, düster, romantisch und selbstverständlich rauch- und nikotinverhangen.

Bremerhaven erleben

Eben genau das, was ich aus meiner Kindheit noch kenne, als Oma sagte, holt mal den Opa vom Frühschoppen zum Mittagessen. Stattdessen hielt mich Opa mit einem Glas Malzbier und 50 Pfennig – für 2 Lieder aus der Musikbox oder für Erdnüsse – bei der Stange. Nur damit er noch ein Bierchen mit seinen Genossen trinken konnte. Was Oma sicher nicht gut fand, aber womit sie natürlich spekulierte, als sie mich losschickte.

Es erinnerte mich auch teilweise an jene Kneipen, die in den frühen Achtzigern ein Teil meiner pubertären Mannwerdung und Reifung prägten.

Das man danach seine Klamotten erst mal auf den Balkon im Hotel hängen muss, sollte man einplanen, wenn man so wie ich als Ex-Raucher zu einem dieser sporadisch militanten Nichtraucher geworden ist.

Aber ohne Frage, ein Abstecher und 1-3 Bierchen im Krohn’s Eck neben Menschenstudie lohnen sich auf alle Fälle. Ein toller Ort, der mir trotz Rauch allemal lieber ist, als die hochglanzpolierten Bars und der ganze neumodische Hipster-bling-bling-Shisha-Ferz.

Bremerhaven erleben

Ich merkte also recht schnell, Bremerhaven hat mehr Facetten als gedacht. Und was mich auch beeindruckte, war die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen.

Gut, ich wurde offenbar als Einheimischer verwechselt. Denn ob meines maritim angehauchten Äußeren mit weißem Vollbart wurde „Captain Mac“ des Öfteren nach dem Weg gefragt.

Mein besonderer Moment war jener, als mich eine ältere Dame nach den Schiffen fragte und Details über Mannschaft und Reiseziele wissen wollte.

Wenn du nicht als Tourist wahrgenommen wirst, hast du als Reisender und Reiseblogger alles richtig gemacht. So mag ich es!

Bremerhaven erleben

Bremerhaven hat viel zu bieten, es ist in meinen Augen besser als sein Ruf. Man berichtet in Zeitungen und online ja immer gern über schlechte Sachen und wenig über die guten Seiten einer Stadt.

Wenn ich als Journalist nur das raus picke, was Auflage bringt und meine Zielsetzung auf das Negative setze, dann ist es egal, um welche Stadt es geht.

Bremerhaven erleben

Daher wird hier das stehen, was mich an diesem Wochenende an Bremerhaven gefangen genommen hat. Und das war durchweg positiv.

Die Havenwelten, das Auswandererhaus, das Klimahaus, das Schifffahrtsmuseum und vieles mehr, liegt kompakt und fußläufig gut zu erreichen zusammen. Und die Zeit hat doch nicht gereicht, um alles zu sehen. Selbst ein Abstecher abseits der touristischen Highlights in die Stadt, weiß zu gefallen.

Man muss eben auch mal selbst losgehen und mit eigenen Augen schauen um sich sein Bild und somit seine eigene Meinung bilden. Ich verzichte hierbei auch bewusst auf Fakten und Daten zu den Häusern, wie Klimahaus und Auswandererhaus und die Details zur Havenwelt. Das kann man sehr gut googlen und sich auf den entsprechenden Seiten, die sehr gut gemacht sind, durchlesen. Es gibt schließlich gute Gründe dafür, warum es diese Seiten gibt. Da brauche ich es hier nicht zu wiederholen.

Bremerhaven erleben

Ich gebe hier auch nur meine persönliche Sicht und meine Eindrücke wieder und möchte damit dazu anregen, selbst mal in Bremerhaven die Brise zu schnuppern, das Fischbrötchen zu essen und im Auswandererhaus sowie Schifffahrtsmuseum zu stöbern. Die Dinge auf eigene Faust zu entdecken. Alles andere hier auf BURGTURM wäre nur ein nüchterner Reisekatalog bzw. Reiseführer.

Sehr beeindruckend fand ich das Auswandererhaus. Auch deshalb, weil es mich persönlich interessierte. Stammt die eigene Sippe doch von Salzburger Protestanten und Hugenotten ab. Der Onkel wanderte nach Amerika aus, während der Opa in Brasilien als Pastor agierte und wir in der Familie sowieso mehr oder weniger Weltenbürger sind. Ich selbst lebte 4 Jahre in Italien, ging dort zur Schule, habe Schwager aus Griechenland und Polen.

Bremerhaven erleben

Es war also spannend, auf den Spuren meiner Ahnen in Form eines Reisenden mit Hugenottenvorfahren zu wandeln. Seinen Weg nach Bremerhaven und schlussendlich nach New York zu erforschen und ihn zu begleiten.

Gut 7 Millionen Menschen verließen zwischen 1870 und 1970 Europa. Man fühlte sich dabei und hatte das Gefühl selbst den Koffer in der Hand zu halten und den Muff in den Kabinen zu riechen sowie das Husten und Gebrabbel der Passagiere zu hören.

Bremerhaven erleben

Selten so ein gut und stimmungsvoll wie authentisch gemachtes Projekt wie das Auswandererhaus gesehen. Respekt!

Das Auswandererhaus ist in meinen Augen eines der besten Museen, die ich bis dato besucht habe. Mit sehr viel Liebe zum Detail und unter Verwendung von echten Exponaten wurde eine faszinierende und authentische Welt geschaffen.

Man ist ergriffen, traurig und froh ob der Schicksale der Menschen. Eingerahmt ist tolle Kulissen und Orte verlor man sich schnell in dieser Atmosphäre und wurde selbst ein Glücksritter, ein Reisender mit Hoffnung auf ein besseres Leben in einer neuen Heimat.

Gleiches gilt aber auch andersherum. Deutschland ist ein Einwanderland! Schon immer gewesen. Und wenn manche Hohlköpfe das heutzutage anders sehen und nichts aus der Geschichte gelernt haben, dann sollten sie mal ihre Ahnenrolle studieren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Déjà-vu nach dem anderen ummantelte mich, als ich die 1970er- und 1980er-Waren sah und den Stil und Dekorationen, die mich an meine Kindheit und an Teile meiner Jugend erinnerten. Egal ob Kaffee, Weinbrand, der Frisiersalon, das Kino und die Gerätschaften die ausgestellt sind. Jedes Teil hatte mir was zu sagen und ich musste das eine oder andere Mal schmunzeln, weil mir damit verbundene Erinnerungen hochkamen.

Bremerhaven erleben

Das Auswandererhaus sollte ganz klar Pflicht für Schulklassen sein, damit man weiß, wo man herkommt und warum es so was wie Immigration und Emigration gibt. Und warum es dämlich ist, über andere Menschen zu urteilen, zu denken sie nähmen einem was weg, wenn man nicht weiß, warum sie fliehen. Statt sich zu freuen, dass man verdammtes Glück gehabt hat, in diesem Teil der Welt geboren zu sein.

Bremerhaven erleben

Zwischendurch gab es ein sehr leckeres Fischbrötchen. Da ich nicht so auf Fisch stehe, ist das durchaus als großes Lob zu werten.

Liebesbrief an unseren Planeten

Weiter ging es ins Klimahaus. Ein weiteres Highlight waren die Heuschrecken. Frittiert, mit Bulgur, Salat und gut gewürzt. Lecker! Das war kein Quatsch, sondern ein Hinweis auf Hungernot und Möglichkeiten der Nahrung in der Zukunft.

Bremerhaven erleben

Hier im Klimahaus wird einem auf anschauliche Art und Weise das Klima, das große Ganze und die Zusammenhänge naher gebracht. Die Wanderung durch diverse Klimazonen und Gebiete war hochinteressant. Und ja in der Wüste war es echt heiß und in der Arktis war es echt kalt. Das ist super gemacht!

Bremerhaven erleben

Man bekommt das Klima am eigenen Leib zu spüren. Großes Lob geht an dieser Stelle auch an Carmen und Lutz für die umfangreiche Führung, den Blick hinter die Kulissen und die vielen beantworteten Fragen von uns. Das hat wirklich Spaß gemacht und war für mich auch lehrreich und eine weitere Horizonterweiterung in Sachen Klima und Umwelt.

Bob Geldof bezeichnete das Klimahaus als einen „Liebesbrief an unseren Planeten“. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Die Hafenrundfahrt über den riesigen Containerhafen war recht beeindruckend, auch wenn man nicht sehr viel im Dunkeln sah. Aber der industrielle Charme kam rüber. Leider war auch das Fotografieren verboten, weil dort auch einiges an Militärgut umgeschlagen wird. Vielleicht komme ich noch mal dazu, das alles am Tage zu betrachten.

Bremerhaven erleben

Den Abschluss machte ein gemütlicher Abend bei leckerem Essen, 1-3 Bierchen im Treffpunkt Kaiserhafen, besser als die letzte Kneipe von New York bekannt, die durch ihr Sammelsurium an maritimen besticht. Hier findet sich so gut wie alles. Taucherglocken, Bugnixe, Rettungsringe, Anker, Taue und Seile, Schiffspläne und und und. Alleine der Weg zur Toilette gleicht einem kleinen Museumsrundgang. Prima!

Bremerhaven erleben

Das Schifffahrtsmuseum hing ich Sonntag vormittags noch dran. Das war auch sehr spannend und für Freunde der maritimen Welt ein muss. Anker, Sextanten, Schiffe, Schiffe, Schiffe, Ausrüstung, Kapitänsmützen und Jacken, Gemälde von Windjammern und ganz viel tolles Zeug, dass man am liebsten einpacken möchte um das heimische Refugium wie eine Kapitänskajüte auszustatten.

Bremerhaven erleben

Bremerhaven erleben

Bremerhaven hat was. Das ist klar! Es gibt viel zu sehen und viel zu entdecken. Ich vermute mal, dass ich da noch mal Anker setzen werde. Sicher dann bei Sonnenschein. Auf jeden Fall war es eine Bereicherung für mich.

Bremerhaven erleben

Thomas hat dazu auch ein feines Video gemacht.

Besten Dank an das gesamte Team und jenen, die uns einen tollen Aufenthalt ermöglichten.

An dieser Stelle auch nochmal meinen herzlichen Dank an Dörte von Erlebnis Bremerhaven Gesellschaft für Touristik, Marketing und Veranstaltungen mbH für die Einladung, das feine Programm und die vielen spannenden Momente in Bremerhaven.

Wer mich und meinen Blog kennt, weiß, dass meine Meinung davon – wie immer – nicht beeinflusst wird. Ehrensache!

Bremerhaven erleben

* Eine Anmerkung: Da ich der Meinung bin, dass es Stil hat, Blogger zu verlinken, mit denen man unterwegs war, tue ich das natürlich auch immer. Ich habe nicht den Ego-Stock im Hintern und breche mir auch keinen ab, wenn ich Blogs erwähne und entsprechend verlinke.

Schließlich leben und erleben wir ein Wochenende gemeinsam und sollten nicht nur soziale Netzwerke nutzen, sondern vielleicht auch mal wieder sozialen Umgang lernen?

Vielleicht gehe ich damit auch mal mit gutem Beispiel voran und wecke den einen oder anderen Reiseblogger auf? Auch für andere Blogger gilt das natürlich. Es hat was mit gegenseitigem Respekt und guten Umgangsformen zu tun. Das fiel mir schon ein paar Mal auf. Aber das ist nur meine ganz persönliche Sicht der Dinge.

Es war schön mit euch!