Braunschweig: Weihnachtsmarkt & mehr. Ein Stadtspaziergang.

Bereits im September diesen Jahres habe ich erstmals Braunschweig bewusst erlebt. Ich fand es damals schon spannend und es gefiel mir. Doch hatte ich da keine Ahnung, dass ich wenige Wochen später erneut dort sein durfte.

Dieses Mal natürlich zum Weihnachtsmarkt, von dem immer alle schwärmten und sagten:

„Der ist so schön, da musst du unbedingt mal hin!“

„Einer der besten in Deutschland …“

braunschweig-burgturm-01

Und ja, sie hatten recht! Endlich mal ein Weihnachtsmarkt, der den Namen „Weihnachtsmarkt“ auch verdient. Nicht so eine Tourist-Plastik-Nepp-Kirmes wie zum Beispiel hier in Berlin auf dem Alexanderplatz. Wobei es natürlich auch in Berlin schöne Weihnachtsmärkte gibt. Gendarmenmarkt, Schloss Charlottenburg um mal meine zwei Favoriten zu nennen.

Allerdings ist der Braunschweiger Weihnachtsmarkt schon wirklich klasse. Alleine deshalb, weil die Kulisse das Ganze perfekt macht. Das historische, mittelalterliche Ambiente rundherum, bestehend aus Burg, Kirche, Dom, Rathaus, Fachwerk und mehr, setzt dem ganzen nochmal die Krone auf.

Immerhin ist dieser Weihnachtsmarkt auch – laut Umfragen – drittbeliebtester Weihnachtsmarkt in Deutschland.

braunschweig-burgturm-04

Ich hatte das große Vergnügen, erneut mit dem wunderbaren Herrn Feuge – der mich schon im September als Braumeister durch Braunschweig führte – den Weihnachtsmarkt und Braunschweig zu erkunden.

Er ist ein sehr netter Kerl – wenn ich das mal so salopp schreiben darf – der einen großen Koffer voller Wissen über Braunschweig mit sich trägt und die eine oder andere interessante Anekdote zu erzählen weiß.

Es macht einfach großen Spaß, seinen Erzählungen zu lauschen, mit ihm zu sprechen und auch mal über Gott und die Welt zu philosophieren. Man lernt sehr viel und es wird dabei nie langweilig. Herr Feuge ist keiner dieser Stadtführer, die nur Daten und Infos runter rattern (was ich leider auch schon in anderen Städten erlebte und so gesehen dann auch selbst hätte mit Wikipedia oder Google recherchieren können) Er ist einfach toll!

Während des Blicks hinter die Kulissen des Braunschweiger Weihnachtsmarktes begleitete uns zusätzlich ein Herr von der Schaustellergemeinschaft und erläuterte die Geschichte, die Intentionen und Traditionen hinter dem Weihnachtsmarkt, der aus ca. 150 Hütten und Buden, alle passend gestaltet und mit viel Liebe und Hingabe geführt, besteht.

Es könnten locker 300 Buden sein. Es bewerben sich auch jedes Jahr immer viele für einen Standplatz. Aber das macht den Reiz aus. Der Markt soll so bleiben, wie er ist. Hier und da mal eine Feinjustierung aber mehr nicht. Deshalb wird er auch von so vielen Besuchern geschätzt.

Selbstverständlich durfte ein Besuch bei Mandel-Meier und dem Mummewirt nicht fehlen. Das waren ohne zu lügen, die besten gebrannten Mandeln, die ich bisher gegessen habe. Und ich habe schon viele davon gegessen.

Der Mummewirt ist ein knuffiger Herr, ein Kumpeltyp. Das meine ich im positiven Sinne von er war mir sehr sympathisch. Er kredenzte uns Mumme-Glühwein und leckeres Spanferkel im Mumme-Brötchen.

Ja, da war sie wieder, diese sagenumwobene Mumme, Braunschweigs historischer Zaubertrank, „Heilmittel“ und Allzwecknahrungsergänzung mit spannender Geschichte. Ich berichtete darüber „Braunschweiger Mumme – slopen, freten, supen!„.

braunschweig-burgturm-14

War der Weihnachtsmarkt schon von unten toll, wurde es mit dem Blick von oben getoppt. Und zwar vom Ausblick oben vom Rathausturm aus. Nach guten 162 Stufen Aufstieg hatte ich einen super Ausblick auf das abendliche Braunschweig samt Hinterland und natürlich den Weihnachtsmarkt.

braunschweig-burgturm-17

Logisch, das es Herr Feuge war, der meine neugierigen Fragen „was ist das für ein Turm?“ und „wie heißt diese Kirche?“, „warum hat das Schloss eine Quadriga?“ mit vielen interessanten Zusatzdetails beantwortete.

Ich glaube, ich habe noch nie soviel über eine Stadt gelernt, wie an diesem Tag.

braunschweig-burgturm-16

Den Abschluss machte ein abendlicher Stadtspaziergang, mit Herr Feuge, der mich ins Magniviertel führte.

Eines der ältesten Stadtviertel Braunschweigs ist das Magniviertel mit seinem zentral gelegenen Magnikirchplatz und der im 11. Jahrhundert gegründeten Magnikirche. Das Quartier bildet ein geschlossen erhaltenes Ensemble von Fachwerkhäusern, die kleine Cafés und Geschäfte beherbergen.

Quelle: Braunschweig.de

Er zeigte mir die alten Fachwerkhäuser. Ich liebe Fachwerkhäuser! Und gab den einen oder anderen Tipp in Sachen Kneipe und Restaurant. Aber auc hdas Happy Rizzi House und andere Gebäude.

Gemeinsam gingen wir in Privatgesprächen vertieft in die Richtung meines Hotels „Haus zur Hanse“ und verabschiedeten uns.

Ich sage an dieser Stelle nochmal vielen herzlichen Dank Herr Feuge. Immer wieder gern!

braunschweig-burgturm-06

Mittlerweile kenne ich mich in Braunschweig, zumindest im Zentrum bzw. der Altstadt etwas aus und fand dann auch das Hotel alleine ohne mich zu verlaufen. Was mir im September oft und an diesem Tag auch das eine oder andere Mal passierte.

Kurz geduscht, telefoniert, E-Mails gescheckt und weiter ging es. Ein Abendessen im Monkey Rosé – Braunschweigs Weinbrasserie ist angedacht.

Ok, das ich mich einigermaßen in Braunschweig auskenne,  wie ich ein paar Sätze vorher noch dachte, half mir auch nicht am Altstadtmarkt den doch etwas sehr gut versteckten Eingang zum Monkey Rosé zu finden. Viermal lief ich im Karree und daran vorbei.

Zur Info: Es ist am Fachwerkhaus an der Ecke des Platzes und dann einmal um die Ecke. Nicht die Treppe hinauf, wie ich und andere Gäste, die wie ich im Dunkel der Stadt rumirrten und den Eingang suchten, dachten.

braunschweig-burgturm-09

Ein großer – wie ich finde – etwas zu dunkler Raum war also das Monkey Rosé (was man auch an den Fotos erkennt. Fotos mit Blitzlicht wollte ich den Gästen nicht zumuten).

Insgesamt geschmackvoll, modern mit Holz und Leder eingerichtet. Es war recht voll und das Grundrauschen des Stimmgewirrs der Gäste war teils etwas nervig. Aber ich war allein dort und somit ging es. Eine ruhige Unterhaltung zu führen wäre schon recht schwer gewesen.

Das Personal war sehr nett und das Essen war in Ordnung. Die Vorspeise hat mir gut gefallen. Falafel mit Wirsingsalat und Sesam-Knoblauch-Creme. Das koche ich auf jeden Fall mal selbst nach.

Die Hauptspeise war ein partiell etwas zähes Nackensteak, mit Rotkohlsalat und Drillingen. Kein wirklich großes Highlight, ebenso wie die Käseplatte als Nachspeise eher normal durchschnittlich war.

Preislich insgesamt vielleicht auch etwas teuer. Dafür war der von mir gewählte Rotwein gut.

Es gab zum Abschluss einen Bulleit Bourbon Frontier Whiskey. Mein momentaner Favorit in Sachen Bourbon. Für mich immer ein gutes Zeichen in einem Restaurant oder einer Bar, dass man auch eine gewisse Auswahl an guten, interessanten, manchmal noch recht unbekannten Spirituosen hat.

Ich lernte ein Paar am Nebentisch kennen und wir tranken Wein und besagten Whiskey, unterhielten uns wirklich gut und lange über allerlei Dinge, Gott und die Welt. Gaben uns gegenseitig Tipps, wo man in Berlin, Braunschweig, Hannover etc. gut essen gehen kann und was man besuchen sollte.

Es war ein schöner Abend geworden. Irgendwann schlich ich durch die kalte Braunschweiger Nacht Richtung Hotel, erschrak mich beim Kirchengeläut und fiel dann um ca. 1:30 Uhr erledigt, aber zufrieden ins gemütliche Hotelbett.

Morgens um 8:00 Uhr ist die Welt fast in Ordnung. Denkt man. Eine heiße und ausgiebige Dusche später war sie es dann auch.

Runter ins Restaurant und erst mal ordentlich Frühstücken. Normales, solides und für mich vollkommen ausreichendes Frühstücksbuffet. Bin auch nicht so der morgendliche Frühstücker, eher der genüssliche Bruncher.

braunschweig-burgturm-07

Das Hotel ist übrigens ein altes Fachwerkhaus, das „Haus zur Hanse“, hat 16 Zimmer, die modern eingerichtet sind. Im unteren Bereich des Hotels befindet sich ein Steakhouse. Laut eigener Aussage auf der Karte „das beste Steakhaus!“ Ich kenne wirklich sehr gute Steakhäuser, habe dies „noch“ nicht getestet. Ein Versuch wäre es beim nächsten Mal wert.

Mein Zimmer war groß, sauber und nach hinten raus, somit auch schön ruhig. Ich schlief bei geöffneten Fenster und habe bis auf das nächtliche Läuten der Kirchturmglocken nichts mitbekommen.

Das Bad samt Dusche ist völlig in Ordnung. Das Personal war sehr nett und zuvorkommend. Mein Kaffee stand ratzfatz auf dem Tisch und meine Reisetasche wurde in Obhut genommen, während ich nochmal Braunschweig unsicher machen ging. Guter, netter Service!

Der Sonntag war grau, Braunschweig schien noch zu schlafen und der Nieselregen machte den Weg zum Kloster St. Aegidien etwas ungemütlich.

Ich summte passenderweise »November Rain« von Guns N‘ Roses, während ich mir in den verwinkelten Straßen den Weg zum Kloster erlief. Ich stellte dabei fest: „Ok, Mac, du kennst dich doch noch nicht in Braunschweig aus!“

braunschweig-burgturm-08

Die auf dem ersten Blick trübe Stimmung dieses Sonntagmorgen passte wiederum sehr gut. Fotos in leeren Straßen sind immer gut.

Die Krähe, die mich am Kloster begrüßte und mir die ganze Zeit hinterher trippelte, mich genau und sehr neugierig dabei beobachtete, was ich mache, fand es wohl prima jemanden gefunden zu haben, mit dem man sich beschäftigen kann.

Ich lauschte den Orgelklängen aus der Kirche, in der gerade ein Gottesdienst stattfand und schaute mich im menschenleeren Klosterhof um.

Nur die Krähe und ich, der Nieselregen und im Hintergrund leise die Orgelmusik. Das war ganz klar ein »Magic-Moment«.

braunschweig-burgturm-12

Ich liebe so was! Da bin ich mit mir, fern von Internet, Menschen und dem Rest der Welt. Es ist ein kurzes Innehalten und das Leben genießen. Ein Durchatmen, den Kopf frei pusten. Wobei das nicht zwingend etwas mit dem religiösen Umfeld zu tun hat, auf dem ich mich gerade befand.

braunschweig-burgturm-11

Dann hatte ich die Möglichkeit, mir das jüdische Museum anzusehen. Und ich gestehe, ich hatte vorab ein völlig anderes Bild und mich auch vorher nie wirklich mit dem Judentum, dem Glauben und den Ritualen befasst.

Ich bin auch kein religiöser Mensch. Das einzige Halbwissen was ich bezüglich Judentum und jüdische Religion hatte, war aus Filmen, Geschichtsbüchern und historischen Romanen. Und logischerweise auch aus dem dunklen Zeitalter deutscher Vergangenheit.

Was mir hier in 1 ½ Stunden in der persönlichen Führung näher gebracht wurde, war sehr lehrreich und beeindruckend. Ich fand es hochinteressant.

Das lag unter anderem auch an der netten Dame, die mich durch die hier wieder aufgebaute ehemalige Hornburger Synagoge aus Originalen und die Ausstellung führte. Leider habe ich den Namen der Dame vergessen. Aber auch hier an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank.

braunschweig-burgturm-13

Ältestes jüdisches Museum der Welt

In der Straße Hinter Aegidien befindet sich der Chor des aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammenden Paulinerklosters, das am Ruhfäutchenplatz auf dem Grundstück der ehemaligen Bezirksregierung stand und 1912 abgebrochen wurde. Der Chor wurde 1913 auf das Grundstück des Aegidienklosters versetzt. Es beherbergt eine der drei Nebenstellen des BLM und ist das älteste jüdische Museum der Welt.

braunschweig-burgturm-15

Zentrum der Ausstellung bildet die komplette Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge, die 1924 abgerissen wurde. Außerdem verfügt das Museum über eine große und bedeutende Sammlung jüdischer Kultgerätschaften und Handschriften, sogenannter Judaica. Zusätzlich finden sich Informationen und Dokumente zu jüdischen Fest- und Feiertagen, zur Entwicklung des Reformjudentums und schließlich zum KZ Bergen-Belsen.

Die Judaica-Sammlung geht auf eine bereits 1746 öffentlich zugängliche Sammlung des Hofjuden Alexander David (1687–1765) zurück. Sie wurde durchgehend seit der Gründung des Museums 1891 bis 1944 in diesen Räumen ausgestellt, konnte aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus Platzgründen erst wieder ab 1987 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Quelle: Wikipedia

braunschweig-burgturm-05

Den Abschluss meiner kleinen Braunschweig-Reise machte ein gemeinsames Mittagessen mit der zauberhaften Maria, vom Stadtmarketing Braunschweig.

Wir saßen im Strupait, einem sehr schönen Café/Restaurant, welches eine grandiose Auswahl an Torten und Kuchen hat und ein – wie ich finde – sehr gutes Essen zubereitet.

Ich gab mich wieder mal der geliebten Käseplatte – die jene vom Vorabend um Längen überbot – hin und habe wieder eine neue Art des Feigensenfs kennengelernt. Die Feigensenf-Variationen sind immer wieder sehr spannend.

Beim Gespräch mit Maria und leckerem Essen verging die Zeit wie im Flug. Ich mag so was sehr gern. Zwanglos, nett und angenehm.

braunschweig-burgturm-10

Es war sehr schön, spannend, lehrreich und auch intensiv. Braunschweig wurde mir wieder ein Stück näher gebracht und ich kann wirklich jedem der sich für Städte und Geschichte interessiert einen Besuch nahelegen.

Aber auch wer eher auf moderne Sachen steht, findet in Braunschweig genügend interessante Orte und eine Menge Kultur.

braunschweig-burgturm-03

Und wer einen wirklich schönen Weihnachtsmarkt ohne Disco-Pop-Musik-Tamtam und Plastik-Nippes, bunte LED-Blinkerei besuchen möchte, wer seinen Fokus auf Ambiente und Beisinnlichkeit legt, sollte sich den Braunschweiger Weihnachtsmarkt unbedingt ansehen.

Am besten noch in diesem Jahr!

braunschweig-burgturm-02

An dieser Stelle auch meinen herzlichen Dank an Maria und Juliane von der Braunschweig Stadtmarketing GmbH für die Einladung. Und vielen Dank für Heinrich und den Löwen … :-) Wer mich und meinen Blog kennt, weiß, dass meine Meinung davon – wie immer – nicht beeinflusst wird.